Steigende Vermögensungleichheiten – eine Gefahr für die Demokratie (Bericht)

Etwas später als gewöhnlich lud die Global Marshall Plan Regionalgruppe am 25.03.20226 mal wieder in den Hospitalhof ein. Unter dem Titel „Extreme soziale Ungleichheit und ihre Auswirkungen auf die Demokratie“ erklärte Manuel Schmitt von Oxfam, wie stark
wachsende Vermögensunterschiede weltweit politische Systeme beeinflussen und gefährden.


Nach Begrüßung durch Ulrike Kammerer als Gastgeberin und Wilfried Münch von der GLS Bank als finanzieller Unterstützer führte Uli Sihler von der Regionalgruppe den Referentenein. Der studierte Soziologie ist als Referent bei Oxfam Deutschland für soziale Ungleichheit tätig.

Die extreme globale Ungleichheit ist frappierend. Superrreiche wie Elon Musk verdienen in 4 Sekunden das jährliche durchschnittliche Einkommen (16 500$) oder in 90 Min 22 Millionen. Leider hat das Vermögen auch immer Einfluss auf die politische Macht. Manuel Schmitt nannte das ein „schlechtes Drehbuch“: Reichster Mensch der Erde kürzt die Mittel der Ärmsten. Nach Einschätzungen des Wirtschaftswissenschaftlers Gabriel Zucman seien die Vermögensungleichheiten DIE globale Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Manuel Schmitt zeigte, dass die Vermögen der Superreichen in den letzten Jahren weltweit stark gestiegen sind. Im Jahr 2025 erreichten sie einen historischen Höchststand. Besonders alarmierend sei, dass der Vermögenszuwachs innerhalb eines Jahres fast dem gesamten Besitz der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung entspricht. Diese Entwicklung verdeutliche die enorme Konzentration von Reichtum in den Händen weniger Menschen.

Ein zentraler Punkt des Vortrags war die Verbindung zwischen wirtschaftlicher und politischer Ungleichheit. Studien zeigen, dass wohlhabende Gruppen deutlich mehr Einfluss auf politische Entscheidungen haben. Zudem untergräbt soziale Ungleichheit das Vertrauen in demokratische Institutionen und verstärkt politische Spannungen. Dies kann langfristig zu einer Schwächung demokratischer Systeme führen. Er erläuterte auch, dass Armut häufig auch politische Teilhabe einschränkt. So haben Menschen mit geringem Einkommen oft weniger Ressourcen, um sich politisch zu engagieren.

Ferner zeigte er auch auf, dass weltweit ein Trend hin zu autoritären Systemen zu beobachten ist. Ein großer Teil der Weltbevölkerung (74%) lebt inzwischen in Autokratien, während nur ein kleiner Anteil in liberalen Demokratien lebt (7%). Diese Entwicklung werde durch soziale Ungleichheit zusätzlich verstärkt. Zudem haben wohlhabende Personen und Unternehmen über Lobbyarbeit und finanzielle Mittel erheblichen Einfluss auf politische Entscheidungen. Dadurch werden die Interessen einkommensstarker Gruppen oft stärker berücksichtigt als die der breiten Bevölkerung. Auch in Deutschland ist die Vermögensungleichheit hoch, auf einem vergleichbaren Niveau wie Mexiko. So besitzen 10% der Bevölkerung 2/3 des Vermögens, die reichsten 1% sogar über 1/3, während 50% der Bevölkerung nur 1,3% des Einkommens verdienen. Im Jahr 2025 sei das Vermögen der Superreichen um 30% angestiegen.

Als ersten Schritt gegen eine weitere Zunahme dieser Vermögensungleichheiten schlägt Oxfam eine Besteuerung von Vermögen über 100 Mio $ mit 2 % vor. Damit kämen weltweit Einnahmen von 242$ zusammen. In Deutschland würden hierbei 28 Milliarden € aufkommen (nur 5000 Haushalte wären von dieser Maßnahme betroffen). Geld, das in Bildung, Gesundheit, soziale Sicherung, Klimaschutz oder Entwicklungszusammenarbeit fließen könnte. Weitere Maßnahmen könnten eine stärkere Regulierung von Konzernen oder mehr Transparenz und Begrenzung von Parteispenden sein. Zusammenfassend zeigte der Vortrag deutlich, dass extreme soziale Ungleichheit nicht nur ein wirtschaftliches Problem darstellt, sondern auch demokratische Systeme gefährdet.

Deshalb seien dringend gezielte politische Maßnahmen erforderlich, um dies zu verhindern. Im Anschluss war Zeit für Fragen und eine rege Diskussion im Plenum: es zeigte sich eine überwältigende Zustimmung zu den vorgeschlagenen Maßnahmen, auch wenn es beim Weg zum Erreichen der Ziele unterschiedliche Perspektiven gab.


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