04.06.2014 - 13:26

Wie Energieautarkie in Entwicklungsländern funktioniert

Statt großer Kraftwerke und Überlandleitungen, wie in den Industrieländern, findet man in Entwicklungsländern immer mehr dezentrale Anlagen, die es den Regionen ermöglichen, sich selbst mit Energie zu versorgen. Hier liegt eine große Chance für die Energiewende!


Die Off-Grid-Energieversorgung gewinnt zunehmend an Bedeutung. Dabei werden unter anderem Sonnenlicht, Wasserkraft und Agrarabfälle genutzt, um Energie zu produzieren und damit einzelne Haushalte oder ganze Dörfer mit Strom zu versorgen.

Von diesen Systemen profitieren vor allem die Endverbraucher. Durch die Anlagen wird den Bewohnern vor Ort zum Beispiel der Zugang zu elektrischem Licht ermöglicht. Da der Aufbau einer umfassenden Infrastruktur nicht nötig ist, können Kosten gespart werden. Geld, das meist sowieso nicht vorhanden wäre. Außerdem sind wenige Akteure zwischengeschaltet, was vermeidet, dass Gewinne in langen Handelsketten verloren gehen und erhöhte Kosten für den Verbraucher auftreten.


Energie durch Sonnenlicht

Ein Beispiel ist ein Beleuchtungskonzept für Regionen abseits von Stromnetzen in Kenia, welches 2008 ins Leben gerufen wurde. Mit dem sogenannten Off-Grid Lighting Konzept wird  eine sichere, bezahlbare und klimaschonende Beleuchtung selbst in netzferne Regionen ermöglicht. Dabei werden wirtschaftliche, soziale und umweltbezogenen Aspekte berücksichtigt.

An solarbetriebenen Energiestationen können Anwohner akkubetriebene Leuchten ausleihen und gegen eine geringe Gebühr wieder aufladen lassen, die Akkus ihrer Mobiltelefone laden, Internetcafés nutzen und Trinkwasser kaufen, welches von einer solarbetriebenen Filteranlage gereinigt und durch UV-Licht entkeimt wurde.

Mithilfe des Projektes konnten vor Ort bereits zahlreiche Arbeitsplätze geschaffen werden. Außerdem ersetzen die effizienten Leuchten Petroleumlaternen und reduzieren somit erheblich Brandgefahr, Gesundheitsschädigung und Verbrauch von fossilen Brennstoffen.


Energie durch Wasserkraft

Auch in Nepal, dem am höchsten gelegenen Land der Erde, hat sich das Prinzip der autarken Off-Grid Energieversorgung bewährt. Das Land besitzt selbst keine fossilen Brennstoffe. Hinzu kommt, dass ein großer Teil der Landesfläche über 3000 Meter liegt. Diese Lage erschwert die Energieversorgung der Dörfer des Himalaya Gebirges, da der Aufbau einer elektrischen Infrastruktur dort nur schwer möglich ist. Die Vielzahl an Flüssen, die durch die Gebirge fließen, ermöglicht jedoch die Versorgung der Dörfer mit Energie. Über 400 Mini-Wasserkraftwerke, die das starke Gefälle der Flüsse nutzen, konnten mit Unterstützung der UNDP schon gebaut werden. Für den Bau dieser Kraftwerke ist nur ein geringer Eingriff in die Natur nötig.


Energie durch Biogas

Ein Großteil der indischen Bevölkerung hat bereits Zugang zu elektrischer Energie, vor allem in den letzten Jahren konnten hier große Fortschritte erzielt werden. Trotz allem ist die Suche nach Lösungen für die Stromunterversorgung weiterhin von großer Bedeutung.

Auch zwei Unternehmer aus dem Bundesstaat Bihar, Gyanesh Pandey und Ratnesh Yadav, haben sich mit diesem Problem auseinandergesetzt und eine Lösung gefunden. In Bihar wird in großen Mengen Reis produziert, dabei entsteht ein Abfallprodukt: Reishülsen. Für diese Hülsen haben die beiden eine Anlage entwickelt, mit deren Hilfe Biogas hergestellt werden kann, welches bei der Vergärung der Hülsen entsteht. Inzwischen versorgen die beiden Unternehmer mit ihrer Firma Husk Power Systems circa 200.000 Menschen in Indien und einigen afrikanischen Ländern mit Strom.


Diese Beispiele zeigen die fortschrittliche Entwicklung der lokalen Off-Grid Energieversorgung. Noch tragen die Mikro-Netze nur einen geringen Teil zur globalen Energieproduktion bei, aber sie gewinnen zunehmend an Bedeutung. Auch in den nächsten Jahren wird ein Fortgang des aufwärts Trends vermutet, schon 2020 könnte der Umsatz des Off-Grid-Marktes laut  dem Beratungsunternehmen Navigant Research 10,2 Milliarden Dollar betragen.


Viele Entwicklungsländer haben mit diesen Systemen, die auf erneuerbaren Energien basieren, die fossile Stromversorgung übersprungen. Statt der Abhängigkeit von großen zentralen Kraftwerken und Stromnetzen, haben sie sich ihre eigenen lokalen Anlagen und damit auch eine Energieautarkie aufgebaut. Diese Entwicklung hat erheblich zur Verbesserung der Situation der Menschen und zum Fortschritt in den betroffenen Ländern beigetragen. Erneuerbare Energien haben sich damit als erfolgreiches Entwicklungsinstrument erwiesen. Dies macht deutlich, dass der Einsatz erneuerbare Energien zunehmend zu einem globalen Phänomen wird, das sich aufgrund seiner handfesten Vorteile nicht aufhalten lässt. Vor allem in ländlichen, netzfernen Regionen ist ihr Potential deutlich sichtbar.

Anna Miriam Leiberich


Quellen:

http://green.wiwo.de/lokale-energieversorgung-grossflaechige-energieversorgung-in-entwicklungslaendern-stromnetze-braucht-kein-mensch/

http://www.osram.com/osram_com/sustainability/sustainable-products/off-grid-lighting/index.jsp

http://www.osram.de/osram_de/presse/pressemeldungen/_wirtschaftspresse/2013/osram-gewinnt-deutschen-innovationspreis-fuer-klima-und-umwelt/index.jsp

Bild: Kanchan Raj Pandey


 

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