09.07.2015 - 17:00

Wasser ist ein Menschenrecht!

Wasser ist überlebenswichtig und deshalb eines der wichtigsten Güter für die Menschen. Im Rahmen des 7. Millennium Entwicklungszieles nahm der Zugang zu sauberem Wasser einen hohen Stellenwert ein. Konnte dieses konkrete Ziel geschafft werden?

Die vereinten Nationen haben mit dem 7. Entwicklungsziel, der Sicherung der ökologischen Nachhaltigkeit, vereinbart, den Anteil der Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser und Sanitäranlagen bis 2015 um die Hälfte zu senken.

In Indien beispielsweise gibt es heute in vielen Häusern weder fließendes Wasser noch sanitäre Anlagen. Offene Abwasserkanäle sind weit verbreitet. Das schnelle Bevölkerungswachstum des Landes macht Fortschritte bei der sanitären Versorgung zunichte.

In den vergangenen Jahren wurden erste Erfolge erreicht: Seit 1990 haben mehr als 2 Milliarden Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser und 2,1 Milliarden Menschen Zugang zu sanitärer Versorgung erhalten. Laut WHO und UNICEF sei das Ziel im Hinblick auf die Wasserversorgung bereits 2010 realisiert worden.

Dennoch zeigen aktuelle Zahlen ein anderes Bild: Heute haben fast 2,5 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sanitären Anlagen, das sind 35,2% der Weltbevölkerung, und 768 Millionen Menschen haben keine Möglichkeit, sauberes Trinkwasser zu bekommen, das entspricht 11% der Weltbevölkerung. Viele andere haben zwar Zugang zu Trinkwasser, müssen aber täglich bis zu 4 Stunden Zeit aufwenden und weite Strecken zurücklegen, um es zu erreichen. Da vor allem Frauen und Mädchen diese Aufgabe übernehmen müssen, hindert es viele Frauen daran, zu arbeiten, und Mädchen, in die Schule zu gehen. Die Beseitigung dieses Problems wäre nicht teuer: Jeder Euro, der in die Wasser- und sanitäre Versorgung investiert wird, erzeugt ein Wirtschaftspotenzial von mindestens 4 Euro.

Verschmutztes Wasser und schlechte sanitäre Versorgung beeinträchtigen die Bemühungen, extreme Armut und Krankheiten in den Entwicklungsländern zu bekämpfen. Vor allem die afrikanischen Länder südlich der Sahara sind hiervon betroffen. Dabei gibt es erhebliche Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Regionen. Besonders für Kinder ist schmutziges Wasser eine Gefahr: Die hohe Kindersterblichkeit in Entwicklungsländern ist hauptsächlich auf verschmutztes Wasser und fehlende Hygiene zurückzuführen. Es sterben mehr Kinder an Durchfallerkrankungen als an Malaria, Masern und AIDS zusammen: Täglich sterben über 2.200 Kinder, pro Jahr sind es 700.000 Kinder. Die meisten dieser Todesfälle hätten mit besseren sanitären Einrichtungen verhindert werden können.

Die Bemühungen müssen noch deutlich verstärkt werden, um sicherzustellen, dass alle Menschen weltweit Zugang zu Wasser und sanitären Anlagen haben: Das Entwicklungsziel hinsichtlich der sanitären Versorgung ist bisher nicht erreicht, und 768 Millionen Menschen haben immer noch kein sauberes Trinkwasser.

Deutschland setzt sich, gemeinsam mit Spanien, sehr für die Umsetzung des Menschenrechts auf Wasser ein. Aufgrund einer deutsch-spanischen Initiative im Menschenrechtsrat erkannten die UN-Generalversammlung und der Menschenrechtsrat das Recht auf Wasser und Sanitärversorgung im Jahr 2010 als verbindliches Völkerrecht an. Eine weitere Initiative ist „WASH United“, ein internationaler Zusammenschluss aus NGOs, Regierungen, Organisationen der Vereinten Nationen und Akteuren aus dem Sportbereich. Gemeinsam sorgen sie dafür, dass die Themen Sanitärversorgung und Hygiene in den Medien präsenter sind. WASH United organisiert auch Aufklärungskampagnen in Schulen.

In einem aktuellen Bericht der Weltgesundheitsorganisation und von UNICEF finden Sie weitere Informationen zu dieser Thematik. Einen Artikel über den Bericht können Sie hier lesen:

https://www.theguardian.com/society/2015/jul/01/billions-have-no-access-to-toilets-says-world-health-organisation-report

Quellen:

Nele Räther