16.04.2015 - 16:04

Viele Fluchtursachen liegen in Europa

Bereits seit langer Zeit wird bei uns über Flüchtlinge und Migration diskutiert. Dabei entsteht schnell den Eindruck, dass Flüchtlinge aus aller Welt fast ausschließlich nach Europa kommen – doch das ist so nicht richtig: die meisten Migranten gibt es innerhalb der Herkunftsländer der Flüchtlinge und in ihren Nachbarstaaten.


Oft wird verschwiegen, dass viele Ursachen für Migration nicht in den Herkunftsländern der Flüchtlinge liegen, sondern in Europa. Dies ist z. B. im Senegal der Fall. Dort leben etwa 600.000 Menschen von der Fischerei. Ausländische Flotten überfischen die Bestände illegal.

2012 hob der damalige Präsident internationale Fischereiabkommen, die zu Überfischung im Senegal geführt hatten, wieder auf. 2014 schloss die EU dann jedoch mit der senegalesischen Regierung ein Fischereiabkommen ab. Demnach zahlt die EU innerhalb von fünf Jahren 15 Millionen Euro an den Senegal und bekommt im Gegenzug die Rechte, 14.000 Tonnen Thunfisch pro Jahr vor der senegalesischen Küste zu fischen. Dieses Abkommen wurde massiv kritisiert.

Ein weiteres Problem ist „Landgrabbing“, bei dem ausländische Investoren auf großen Landflächen Biokraftstoffe, Reis, Erdnüsse usw. anbauen, um sie dann z.B. nach China zu exportieren.

Die Menschen aus dem Senegal fliehen also nicht vor Kriegen oder Terrorismus, sondern vor Ausbeutung durch Überfischung oder Ausrichtung der Landwirtschaft auf den Export statt auf die senegalesische Bevölkerung. Die Ursachen liegen vor allem in fehlenden wirtschaftlichen Perspektiven und nicht genügend Arbeitsplätzen. Überfischung und Landgrabbing sind dann die Auslöser für die Flucht vieler Senegalesen.

"Wir sind hier, weil ihr unsere Länder zerstört"

Lesen Sie hier den Artikel der Heinrich-Böll-Stiftung!