09.07.2014 - 15:35

Steuern sparen leicht gemacht

International agierende Unternehmen erwirtschaften in Deutschland Jahr für Jahr Millionengewinne, doch Steuern zahlen sie dafür so gut wie keine. Während einige EU-Mitgliedsstaaten davon profitieren, verliert der deutsche Fiskus durch Gewinnverlagerungen der Konzerne Milliarden.

 

Der Umsatz von vielen internationalen Konzernen auf dem deutschen Markt kletterte in den letzten Jahren in die Höhe. Eigentlich sollte das auch von Vorteil für den deutschen Staat sein. Doch die Konzerne finden immer wieder kreative Wege, mit denen sie ihre Gewinne ins Ausland verlagern und so Steuern sparen. Mithilfe der in Europa existierenden Steuerschlupflöcher können Unternehmen ganz legal ihre Gewinne in Länder mit schwächeren Steuergesetzen transferieren. Auf diese Weise können sie ihre Umsätze auf dem Papier reduzieren und ihre Steuerpflicht in Deutschland teilweise sogar komplett umgehen.

Besonders beliebt war das Steuersparmodell der „doppelten Nichtbesteuerung“. Die „Mutter-Tochter-Richtlinie“, welche dies ermöglichte, sollte ursprünglich verhindern, dass in verschiedenen EU-Staaten ansässige Unternehmen für Einkünfte zweimal zahlen. Dies eröffnete jedoch Schlupflöcher zwischen den nationalen Steuervorschriften, denn die Dividenden von Tochterunternehmen aus anderen EU-Staaten waren oft steuerfrei. Viele Unternehmen nutzten diese Regelungen aus, um ihre Gewinne in Europa zu verschieben und sich ihren gesellschaftlichen Pflichten zu entziehen.

  • Die Coffeeshop-Kette Starbucks schaffte es, im Geschäftsjahr 2011/12 trotz 117 Millionen Euro Umsatz, in Deutschland keinen Euro Steuern zu zahlen.
  • Die deutsche Filiale von Amazon reduzierte ihre Steuerlast durch Gewinnverlagerungen bei einem Umsatz von 76 Millionen Euro im Jahr 2012 auf nur 3 Millionen Euro zu reduzieren.
  • Der deutsche Ableger von Google zahlte im selben Jahr nur 6 Millionen Euro Steuern für einen Umsatz von 203 Millionen Euro.
  • Die deutsche Tochter von Apple erwirtschaftete 72 Millionen Euro, musste dafür jedoch nur 9 Millionen Euro Steuern abgeben.

Gleichzeitig nehmen die selben Konzerne hochqualifizierte Arbeitnehmer in Anspruch, beteiligen sich aber nicht an den Kosten für deren Bildung. Sie verlangen - und nutzen - staatliche Infrastruktur wie z.B. Straßen und Flughäfen – und bezahlen nichts dafür. Die Unternehmen machen ihre Gewinne demnach auf Kosten der Gesellschaft.

Doch dies soll sich jetzt ändern. Einige Politiker beschäftigen sich schon seit geraumer Zeit mit diesem Problem. Im Juni diesen Jahres haben sich die EU-Finanzminister nun einstimmig für eine Gesetzesreform der „Mutter-Tochter-Richtlinie“ ausgesprochen. Künftig sollen Dividenden von Tochterunternehmen nur noch dann steuerfrei, wenn sie nicht im anderen Land von der Steuer abgesetzt werden. Damit soll die Ausnutzung der Regelung verhindert werden.

Trotzdem bleiben noch viele Schlupflöcher bestehen. Verlagert werden zum Beispiel Patente, Markenrechte, Lizenzgebühren oder Darlehenszinsen an Tochterfirmen in Steueroasen. Auch in Zukunft werden Unternehmen weiter nach Tricks und Wegen suchen, um Steuerzahlung zu umgehen.

Einige Staaten - darunter auch EU-Länder - profitieren zulasten anderer, indem sie den Konzernen diese Steuertricks ermöglichen. Zum Beispiel locken immer mehr Länder multinationale Konzerne mit niedrigen Steuern für Lizenzeinnahmen. Aufgrund dessen ist es schwierig, sich gemeinsam auf internationale Rahmenbedingungen zu einigen. Umfassende internationale Gesetze in diesem Bereich wären jedoch dringend notwendig, um eine gerechte Besteuerung gewährleisten zu können.

 

Anna Miriam Leiberich


Quellen:

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/eu-stopft-steuerschlupfloch-fuer-starbucks-ebay-co-13000355.html

http://www.focus.de/finanzen/news/wirtschaftsticker/konjunktur-eu-stopft-steuerschlupfloecher-fuer-konzerne_id_3934521.html

http://www.tagesschau.de/wirtschaft/eu-steuervermeidung100.html

http://www.handelsblatt.com/politik/international/doppelte-nicht-besteuerung-eu-schliesst-steuerschlupfloch-fuer-konzerne/10074596.html

http://www.badische-zeitung.de/wirtschaft-3/eu-steuerschlupfloecher-stopfen--87220317.html

http://www.finanzen100.de/finanznachrichten/wirtschaft/so-umgehen-apple-und-co-mit-legalen-tricks-die-steuer_H1964235915_24015/

 

Foto: Images_of_Money


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