04.08.2014 - 16:31

Steuer zahlen - Nein, danke?

International agierende Konzerne erwirtschaften Milliardengewinne, oft ohne einen Cent Steuern zu zahlen. Immer mehr Firmen verlagern ihre Gewinne in europäische Länder mit schwächeren Steuergesetzen, somit können sie ihre Umsätze kleinrechnen und die bestehende Steuerpflicht umgehen.

 

In unserem Artikel aus dem letzten Newsletter„ Steuern sparen leicht gemacht“ ging es um die Steuerflucht vieler Konzerne aus Deutschland und anderen EU-Ländern ins europäische Ausland.  Der Fiskus verliert Milliarden durch die Gewinnverlagerung dieser Konzerne, während sie die Infrastruktur der Staaten, wie Straßen oder Flughäfen, nutzen und hochqualifizierte Arbeitnehmer verlangen, ohne sich an der Finanzierung von Bildung beteiligen.  Ermöglicht wurde die Steuerflucht durch die „Mutter-Tochter-Richtlinie“, die verhindern sollte, dass Unternehmen, die in verschiedenen europäischen Ländern ansässig sind, mehrfach steuerlich belastet werden. Durch die unterschiedlichen nationalen Steuerrechte boten sich jedoch viele Schlupflöcher für die Konzerne. Die "Mutter-Tocher-Richtlinie" wurde mittlerweile reformiert, indem zukünftig Dividenden von Tochterunternehmen nur noch dann steuerfrei sind, wenn sie nicht in einem anderen Land abgesetzt werden. Doch diese Änderung verhindert nicht alle Steuertricks der Unternehmen.

Nun greift auch der Sender Arte das Thema Steuerflucht auf: Das Dossier „Steuerflucht- Wann kippt das System?“ befasst sich mit dieser Problematik, u.a. mit einer Fernsehdokumentation (auch auf Youtube zu finden).  Es wird gezeigt, wie beispielsweise durch die Steuerflüchtigen Konzerne Amazon oder Total viele europäische Staatskassen immer weiter schrumpfen. Die Reportage macht deutlich, dass es längst keine Nebensache  mehr ist, wenn international agierende Konzerne und wohlhabende Steuerzahler ihren Gewinn vor dem Fiskus in Sicherheit bringen und dennoch von den staatlichen Dienstleistungen profitieren. Es wird geschätzt, dass 20 bis 30 Billionen Dollar in Steuerparadiesen lagern, während teilweise ganze Staaten durch die nicht bezahlten Steuern drohen zusammenzubrechen.  In der Doku werden unter anderem die Steuersparmodelle einiger Konzerne, wie zum Beispiel Colgate, aufgedeckt und gezeigt, wie große Beratungsfirmen, wie KPMG oder Ernst & Young, Konzerne bei ihren Sparmodellen unterstützen. Nicht zuletzt wird die Ironie besonders im Falle der Banken deutlich:  Gerade wurden sie noch durch Steuergelder gerettet und nun helfen sie wohlhabenden Kunden den Staat zu hintergehen.  

Passend zum Dossier bietet Arte das Spiel „Steuerflucht für Anfänger“ auf ihrer Homepage an. Wie es sich anfüllt ein skrupelloser Investor zu sein, erfährt man durch dieses Spiel, indem man Schritt für Schritt mit seinem virtuellen Kapital in ein Steuerparadies reist.

Einige Staaten, auch in der EU,  profitieren von der Steuerflucht, anderen droht die Staatspleite. Es ist schwierig ein international geltendes Steuerrecht umzusetzen, doch die Arte Reportage macht einmal mehr deutlich, wie notwendig es ist, allgemein verbindliche und gerechte Rahmenbedingungen zu entwickeln.


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Quellen:

http://www.arte.tv/guide/de/047158-000/zeitbombe-steuerflucht

http://future.arte.tv/de/thema/steuerflucht

http://www.arte.tv/sites/de/steuerflucht/#.U9tjSGM3WZR