10.03.2014 - 13:35

Saatgutkonzerne kurz vorm Ziel: Zulassung von Genmais nur noch reine Formsache

Ende März wird die EU Kommission den Anbau von Genmais 1507 höchstwahrscheinlich genehmigen. Die Folgen für Mensch und Umwelt sind sehr umstritten.   

Beim letzten Treffen des EU-Ministerrates in Februar konnten sich die Mitgliedstaaten nicht auf ein einheitliches Anbauverbot der von den US-Konzernen DuPont und Dow Chemical entwickelten Pflanze Genmais 1507 einigen. Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums wird die EU-Kommission Ende März den Anbau genehmigen, wenn es keine qualifizierte Mehrheit gegen die Zulassung unter den EU-Ministern gibt. Da Deutschland sich bei der letzten Abstimmung im Ministerrat enthalten hat und die Stimme der Bundesregierung für eine qualifizierte Mehrheit bei der kommenden Abstimmung erforderlich ist, ist ein Anbauverbot eher unwahrscheinlich.

Weil bisher keine stichhaltigen Argumente für die Zulassung des Genmais 1507 bekannt sind und laut Greenpeace-Umfrage 88 Prozent der deutschen Bevölkerung für ein Anbauverbot ist, kann man sich fragen, warum sich die Bundesregierung der Stimme enthalten hat. Laut Süddeutsche.de, hat Deutschland so handelt, weil es zurzeit keine Einigung im Bundeskabinett zu diesem Thema gibt. Im Interview mit der Zeitung, sagte Michael Roth (SPD): "Die SPD-geführten Häuser, auch ich persönlich, das CSU-geführte Landwirtschaftsministerium sind gegen den Anbau von Genmais… Die CDU-geführten Häuser und das Kanzleramt sind dafür." Wenn es keine klare Einigung gibt, verordnet die Geschäftsordnung der Bundesregierung bei EU-Abstimmungen eine Enthaltung.

Die neue schwarz-rote Regierung verstößt mit ihrer Enthaltung gegen den aktuellen Koalitionsvertrag in dem es heißt: „die Vorbehalte der Bevölkerung gegenüber der grünen Gentechnik anzuerkennen“. Laut Zeit.de sind nur 8 Prozent der deutschen Bevölkerung für die Zulassung.    

Für die Umweltschutzorganisation NABU war die Enthaltung der Bundesregierung absolut unverständlich, da eine Zulassung von Genmais 1507 aus ihrer Sicht die Artenvielfalt gefährden würde. NABU-Präsident Olaf Tschimpke sagte dazu:  

„Wenn der Mais in Deutschland angebaut wird, steigt automatisch der Einsatz von Glufosinat. Dieses Unkrautbekämpfungsmittel gehört zur Gruppe besonders gefährlicher Pestizide, die 2017 nach dem Willen der EU-Kommission aus dem Verkehr gezogen werden sollen. Vor diesem Hintergrund ist es vollkommen unverständlich, warum sich Deutschland in der Abstimmung enthält und einer europäischen Zulassung somit nichts entgegensetzt.“

Das Gremium der Europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA) für gentechnisch veränderte Organismen hat zwar die Pflanze als unbedenklich eingestuft. Doch das bedeutet  keineswegs, dass der Genmais 1507 unschädlich ist. Laut Süddeutsche.de, wurden die Auswirkungen dieser genveränderten Pflanze auf Insekten und die Umwelt  immer noch nicht ausreichend geprüft. Der NABU teilt diese Ansicht:

„Die Bewertung der EFSA greift viel zu kurz. Wie empfindlich die geschützten Schmetterlinge in Europa gegenüber den Bt-Toxinen des Maises 1507 wirklich sind, ist nicht bekannt. Ebenso wenig wurden die Effekte auf den Boden oder andere wildlebende Bestäuber abgeschätzt“, sagte NABU-Expertin Steffi Ober.

Süddeutsche.de zur Folge argumentieren die Befürworter des Genmais-Anbaus, dass Landwirte auf Feldern mit genveränderten Pflanzen weniger Pestizide verwenden müssen. Laut Matthias Liess vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung beweisen neue Studien genau das Gegenteil: "Studien zeigen, dass aufgrund sich entwickelnder Resistenzen bei Unkräutern auch langfristig große Herbizid-Mengen eingesetzt werden müssen.“ Eine Studie für die Europafraktion der Grünen hat belegt, dass der Einsatz von Pestiziden in den USA sogar gestiegen ist durch den Anbau von genveränderten Pflanzen.  

Laut Frau Ober von der NABU ist die sogenannte „Opt-out Regel“, welche es einzelnen Regionen ermöglichen würde, den Anbau von genveränderten Pflanzen zu verbieten zwecklos, da es unmöglich ist diese Gebiete gegen den Genmais-Pollenflug zu schützen. Dem NABU zur Folge gibt es nur eine Lösung: „Ein generelles Anbauverbot in der EU für Mais 1507 ist die einzig praktikable Möglichkeit, um die bedrohte Vielfalt in der Natur zu schützen.“

Genmais 1507 wäre nach Mon810 des Herstellers Monsanto die zweite genveränderte Maissorte auf dem Europäischen Markt.

Sarah Carroux

Bilderquelle: www.news.at

Quellen:

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/eu-entscheidung-deutschland-macht-genmais-moeglich-1.1885487

http://www.sueddeutsche.de/wissen/genmais-vor-der-zulassung-bauern-warnen-vor-gentechnikkrieg-auf-den-doerfern-1.1885473

http://www.nabu.de/presse/pressemitteilungen/index.php?popup=true&show=10471&db=presseservice

http://www.fr-online.de/ernaehrung/genmais-grenzen-fuer-genmais,9563634,26459470.html

http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/streit-um-genmais-umweltminister-beraten-ueber-ausnahmen/9558134.html

http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/genmais-eu-minister-koennen-1507-nicht-stoppen/9459626.html

http://www.zeit.de/kultur/2014-02/natur-technik-genmais-essay

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/genmais-1507-steht-nach-abstimmung-vor-zulassung-in-der-eu-a-952781.html


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