10.07.2013 - 10:39

Rückblick auf die "Hochschultage Ökosoziale Marktwirtschaft und Nachhaltigkeit" in Tübingen - 12.-14. Mai

Auf Initiative des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft und in Kooperation mit der Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg, fanden vom 12. bis 14. Mai die Tübinger „Hochschultagen Ökosoziale Marktwirtschaft und Nachhaltigkeit“ statt.

Wirtschaftskrise, Klimakrise und soziale Ungerechtigkeit – zur Lösung dieser Probleme möchten auch die Studierenden der Universität Tübingen einen Beitrag leisten. Daher haben sich die studentischen Initiativen „Global Marshall Plan Lokalgruppe Tübingen“, „Greening the University“ und „Oikos“ zusammen gefunden, um mit den Ökosozialen Studientagen eine Ideenwerkstatt zur Diskussion aktueller Reformkonzepte und zur Erarbeitung von Empfehlungen anzubieten. Mit der Veranstaltung wurde verdeutlicht, dass das Konzept der ökosozialen Marktwirtschaft bei den Studierenden großes Interesse findet. Offene Fragen wie „wo können wir selbst Verantwortung übernehmen? Und wo ist die Politik gefragt und wie können wir politisches Handeln beeinflussen?“ konnten durch das studentische Engagement mit innovativen Lösungsansätzen beantwortet werden.

Der Diskussionsbedarf der Tübinger Studierenden war offensichtlich groß – schon zur Einstimmung am Donnerstagabend mit dem Film „Die 4. Revolution – Energy Autonomy“ war das Schloßcafé in Tübingen bis zum letzten Platz auf dem Fenstersims besetzt.

Die Ideenwerkstatt, die Workshop-Phase und eigentlicher Kern der Veranstaltung, wurde von Vorträgen wichtiger Vertreter der ökosozialen Marktwirtschaft eingerahmt. Diese Keynote-Referate steckten den inhaltlichen Rahmen für die anschließende Diskussion ab. Dazu skizzierte Dr. Anselm Görres (Vorsitzender des FÖS) am Freitagabend die aktuellen Probleme des globalen Wirtschaftssystems und die Auslöser der mehrdimensionalen Krisen (Finanzkrise, Wirtschafskrise, Klimakrise, etc.). Dabei stellte er die Frage „Seid Ihr noch Teil des Problems – oder schon Teil der Lösung?“ in den Mittelpunkt. Thomas Jorberg (Vorsitzender der GLS Bank) begann anschließend mit der Frage: „Was ist die Aufgabe eines Unternehmers?“. Seine Darstellung und Diskussion mit dem Publikum verdeutlichten, dass sich die Aufgabe eben nicht auf Gewinnmaximierung beschränken kann, sondern dass es vielmehr um die Erfüllung von Bedürfnissen geht. Es ist also notwendig, dass die Idee der ökosozialen Marktwirtschaft in die Entscheidungsmatrix der Unternehmen integriert wird.

Während der jeweils 3-stündigen Workshops, die am Samstag der Hochschultage stattfanden, wurde an konkreten Themen, innovativen Ideen und Lösungsansätzen gearbeitet. Zusammen mit Experten aus Forschung und Praxis wurden Zusammenhänge diskutiert und ganz konkrete Vorschläge für das eigene Handeln und an die Politik formuliert. Im Workshop „Grenzen des Wachstums“ setzte man sich beispielsweise mit den Problemen der heutigen am Wachstum orientierten Wirtschaft sowie der mangelnden Aussagefähigkeit des BIP für die Lebensqualität auseinander. Weitere Workshops beschäftigten sich mit dem Potential der Elektromobilität, dem Zusammenhang von Klimawandel und Migration, den Potentialen, Risiken und Herausforderungen Erneuerbarer Energien, dem zukunftsfähigen Wirtschaften und zum Thema „Kritischer Konsum?! Vom Wissen zum Handeln – ein psychologischer Ansatz“.

Professor Dr. Dr. F. J. Radermacher (Club of Rome) rundete die Veranstaltung am Samstag ab und machte deutlich, wie die Probleme unseres heutigen Systems durch eine ökologisch-soziale Marktwirtschaft behoben werden könnten. Mit einem Global Marshall Plan könnten die Lösungsansätze sogar auf die internationale Ebene gehoben werden. Doch auch Herr Radermacher zeigte sich nicht nur optimistisch: Bestehende Kräfte wirken gegen die Umsetzung der neuen Ideen und nur wenn alle mit anpacken, werden wir den Wandel schaffen. Die Hochschultage wären daher wichtig um zukünftige Multiplikatoren zu gewinnen.

FollowUp der Tübinger Hochschultage wurde bereits gestartet!

Dieses angedeutete Potential der Hochschultage zeigte sich bereits während und nach der Veranstaltung. Es konnten eine ganze Reihe von Anknüpfungspunkten für weitere Aktivitäten auf studentischer Ebene und zur besseren Vernetzung der Akteure in Tübingen und Umgebung identifiziert werden.

Mit den Studientagen wurden zum ersten Mal die Aktivitäten der verschiedenen studentischen Initiativen aus dem ökosozialen Bereich in Tübingen in einer großen Veranstaltung gebündelt. Es wurde deutlich, dass bei einer gemeinsamen Vorgehensweise viele Synergien entstehen können. Diese Synergien sollen auch bei weiteren Aktivitäten genutzt werden. Außerdem wurde das Projektteam und weitere Interessierte zu einer Exkursion zur GLS-Bank eingeladen um die Diskussion mit Thomas Jorberg zu vertiefen. Das Oikos-Projektteam möchte einen weiteren Workshop oder Vortrag zum Thema „Grenzen des Wachstums“ organisieren.

Da die Tübinger Hochschultage unter anderem von Vertretern anderer Hochschulen besucht wurden, konnten erfolgreich neue Netzwerke über Tübingen hinaus geknüpft werden.

Zum Ende der Veranstaltung waren sich bereits alle einig: die Tübinger „Hochschultage Ökosoziale Marktwirtschaft und Nachhaltigkeit“ - eine Ideenwerkstatt - haben wichtige Diskussionen, Aktivitäten und Vernetzungen ausgelöst und sollten auf jeden Fall wiederholt werden.

Eine ausführliche Dokumentation ist in Kürze unter www.hochschultage.org/tuebingen erhältlich.

 

Die „Hochschultage Ökosoziale Marktwirtschaft und Nachhaltigkeit“ sind ein Beitrag zur Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung und sollen die stärkere Einbindung des Nachhaltigkeitsgedankens an Hochschulen bewirken. Außerdem wird durch die Hochschultage die Debatte um nachhaltige Zukunft verbreitet und der Ausbau von Netzwerken initiiert. Neben der Vermittlung praktischen Wissen zu ökologischen und sozialen Reformkonzepten, soll eine Plattform für Diskussionen geschaffen und neue Konzeptentwicklungen ermöglicht werden. Studierende können durch die Planung und Umsetzung solcher Tage selbst aktiv werden und so wichtige Erfahrungen für ihre Zukunft sammeln.

Die Hochschultage sind ein gemeinsames Projekt von insgesamt sechs Partnerorganisationen. Global Marshall Plan Gruppen, die einen solchen Hochschultag organisieren wollen oder interessiert sind, können sich gerne unter hochschultage@globalmarshallplan.org melden. Der nächste Hochschultag, der von einer Global Marshall Plan Lokalgruppe organisiert wird, wird am 15. Juni am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) stattfinden.

 

Teaserbild: http://technikfreak.suedblog.de/

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