Wer kontrolliert die Welternährung?

Kurz vor dem diesjährigen Welternährungstag am 16. Oktober wurden zwei aktuelle Berichte veröffentlicht, die deutlich machen, welche Faktoren die weltweite Ernährungssituation entscheidend beeinflussen und welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um dem Welthunger entgegen zu wirken.

Jahrbuch zum Recht auf Nahrung 2012
Das u.a. von Brot für die Welt und FIAN herausgegebene „Jahrbuch zum Recht auf Nahrung 2012“ widmet sich in diesem Jahr der Frage „Wer kontrolliert die Welternährung?“.
Der Bericht macht deutlich, dass der Hunger in der Welt menschengemacht ist und von der globalen Lebensmittel- und Agrarindustrie mitverursacht wird. Dabei wäre es schon heute möglich, alle Menschen auf der Welt zu ernähren: „Rein rechnerisch hätte heute jeder Mensch 30 Prozent mehr Nahrung zur Verfügung als noch vor 40 Jahren“, so FIAN-Agrarreferent Roman Herre.
Privatwirtschaftliche Unternehmen und Finanzinvestoren würden jedoch immer stärker Einfluss auf die Ernährung nehmen. Denn statt auf lokal verfügbare Lebensmittel, setze die Industrie auf nährstoffangereicherte Produkte. Die Autoren des Jahrbuchs fordern deshalb eine Regulierung der Privatwirtschaft: „Die Politik muss die Regeln für global agierende Konzerne auf dieser Basis neu gestalten. Nur so kann die Zivilgesellschaft die Kontrolle über die natürlichen Ressourcen zurückgewinnen.“

Hier finden Sie eine Zusammenfassung des Jahrbuchs (deutsch) und hier den kompletten Bericht (englisch).

Welthunger-Index 2012
Zum siebten Mal erscheint 2012 der Welthunger-Index (WHI), ein gemeinsamer Bericht von der Welthungerhilfe, IFPRI und Concern, der die Entwicklung der Hungersituation auf globaler, regionaler und nationaler Ebene zeigt.
Der diesjährige Bericht legt zwar dar, dass der Anteil der weltweit hungernden Menschen abnimmt - die Fortschritte bei der Hungerbekämpfung haben sich jedoch wieder verlangsamt. So bleibt die Situation ernst: Jeder achte Mensch ist weiterhin nicht ausreichend ernährt.
Vor allem die zunehmende Verknappung von Land, Wasser und Energie stellt dafür einen gewichtigen Faktor dar. In den kommenden Jahrzehnten, so die Besorgnis erregende Prognose, werde dies eine wachsende Herausforderung für die Ernährungssicherung darstellen. Diesem zunehmenden Druck auf Land, Wasser und Energie müssen Staaten aktiv entgegengetreten, um Landraub und unsoziale Landinvestitionen zu verhindern.

Hier finden Sie den vollständigen Bericht.

(Quellen: fian.de, sonnenseite.com, welthungerhilfe.de)