Wahrnehmung von "Welternährung"

Die Agrarproduktion muss bis 2050 deutlich gesteigert werden, da die Nachfrage deutlich schneller wächst als das Angebot, was wiederum Preisanstiege zur Folge hat. Die Produktion muss mit der Nachfrageentwicklung mitkommen welches im Hinblick auf Klimawandel und Ressourcenverknappung eine große Herausforderung bedeutet. Innerhalb einer Verbraucherumfrage der Universität Göttingen, befragten Wissenschaftler im März 2012 rund 1200 Verbraucher in ganz Deutschland zu deren Wahrnehmung von möglichen Ursachen der Welthungerproblematik und zur Kompetenz verschiedener Akteure.

Ursachen für globale Ernährungsprobleme sind laut der Befragten Dürren, Kriege und Konflikte in Entwicklungsländern, und nicht die landwirtschaftlichen Aspekte wie modernere Technologien. Laut dem Agrarwissenschaftler Matin Qaim der Universität Göttingen, machen diese Probleme jedoch nur einen kleinen Teil des Hungerproblems aus.
Ist die Problematik des Welthungers eine Frage der Verteilung oder der Produktion von Lebensmitteln? Auch diese Frage wurde in der Umfrage behandelt. Die Allgemeinheit sieht in diesem Fall eindeutig das Verteilungsproblem in Vordergrund. Lösungen sehen die Befragten zum Beispiel im verstärkten Anbau ertragreicher Sorten, Ökolandbau, fairen Handel und im Verbot der Spekulation mit Lebensmitteln. Bei dieser Thematik werden, laut Qaim, bei vielen Menschen die verbreiteten Ängste vor Umwelt- und Gesundheitsrisiken der Gentechnik auf das Thema Welternährung übertragen. So bewerten die Befragten Gentechnik, sowie Dünger und Pflanzenschutzmittel als negativ in Bezug auf das Hungerproblem.

Der Großteil der Befragten ist der Ansicht, das Konsumverhalten innerhalb der Europäischen Union könne das Welternährungsproblem beeinflussen – sie gaben jedoch gleichzeitig an, dass das Thema bei ihrem persönlichen Kauf- und Konsumverhalten keine bedeutende Rolle spiele. Sparsamer, bewusster Umgang mit am besten regional erzeugten und fair gehandelten Produkten sowie minimierter bedachter Fleischkonsum werden in diesem Zusammenhang oft genannt, finden sich jedoch leider im Alltagsleben der Befragten kaum wieder.

Es zeigt sich, dass das Thema Welternährung in der Öffentlichkeit oft durch stark positive und negative Vorurteile geprägt ist. Matin Qaim ist besorgt: "Pauschalurteile bringen uns nicht weiter bei so hochkomplexen Fragen wie der Zukunft der Welternährung". Der Begriff der Nachhaltigkeit dürfe nicht gleichgesetzt werden mit traditioneller, extensiver Produktion, wie viele Verbraucher es sich heute vorstellen. "Innovation und ressourceneffiziente Wertschöpfung werden zunehmend wichtig, um einer wachsenden Weltbevölkerung globale Ernährungssicherheit bieten zu können." Und das erfordere auch ein gesellschaftliches Umdenken.

(Quelle: www.umweltdialog.de, Bilder: thecalloftheland.files.wordpress.com)