11.03.2013 - 16:15

Videomitschnitt online: Durften die, die konnten, was sie taten?


Herr Radermacher unterscheidet mit seiner Arbeit beim Club of Rome zwischen der physischen Ökonomie und der Finanzwelt. Die erstere ist auf eine materielle Basis zurückzuführen und spielt nur mehr eine kleine Rolle. Genau das Gegenteil sollte jedoch der Fall sein. Spätestens seit der Bankenkrise sollte uns das klar geworden sein. Es stellt sich die Frage, warum wir, die Bevölkerung und Mit-Opfer der Krise, so etwas überhaupt zulassen?

Ein Mitschnitt Radermachers bewegenden Vortrags "Weltfinanzsystem am Limit" vom Juni 2010, veröffentlicht am 13.12.2012 auf dem Internetportal des Oldenburger Immobilien.TV, gibt Orientierung. Für jene, die nicht soviel Zeit entbehren können (Vortragsdauer: ca. 1 Stunde), empfehlen wir die geschriebene Zusammenfassung im Anschluss, in der versucht wird einige zentrale Punkte der Rede zu beleuchten.


Nahrung, Wasser, Fläche, Klima – es liegen große Probleme auf der Ressourcenseite vor, für die vor allem der Trend des raschen Wachstums der Erdbevölkerung ein Risiko darstellt. Es sei jedoch Unsinn, das hohe prozentuelle Wirtschaftswachstum Chinas mit dem vergleichsweise niedrigen in Deutschland zu vergleichen, da das chinesische Wachstum mit hoher Armut einhergeht. Uns wird brutal klar, dass die Form von Wohlstand, die wir hatten, nur möglich war, weil wir auf die Ressourcen anderer Staaten zugriffen und es stellt sich die Frage nach der Legitimität dieses Prozesses.

Mit einem Beispiel weist Radermacher auf die horrenden Ausmaße von Managerboni hin: „Was alle Deutschen im ganzen Leben an Einkommen generieren, verdient eine Elite in einem Jahr als Boni und muss diese nicht einmal versteuern.“ Hier liege da Zentrum dieses sogenannten Imperiums, für das die Krise sogar förderlich gewesen sei.

Die entscheidende Herausforderung liegt aus der Sicht des Club of Rome darin, die Armen aus der Armut herauszuholen um Wachstum nachhaltig aus Innovation zu generieren, was auch ökonomisch Sinn macht. Der Bericht für den Club of Rome "Limits to Privatization: How to Avoid Too Much of a Good Thing" behandelt u.a. wie es gelang einen vernünftigen Prozess zur Selbstbereicherung umzufunktionieren.

Der entscheidende Vorgang im Zusammenhang mit dem Siegeszug des freien Marktes sei vor allem die erfolgreiche Durchsetzung von Begriffen in unseren Gehirnen. Eine Innovation des Finanzsektors ist es, dass es als gerecht empfunden wird, wenn der größte Wertschöpfer mit Allmachtphantasien ausgestattet wird und Begriffe wie „Wertschöpfung“, die für kurzfristige Marktkapitalisierung stehen, als etwas Gutes erscheinen zu lassen. Herr Radermacher plädiert an dieser Stelle für die angemessene Entlohnung von Arbeitskraft. Es dürfe nicht sein, dass die eigene Bevölkerung keine Kaufkraft mehr hat zugunsten einer kleinen Elite.

Ein wesentlicher Auslöser für die Finanzkrise des Jahres 2008 wären die vermeintlichen Ausfallsversicherungen, genannt credit default swaps (Link: Englisch), gewesen, ein finanztechnisches Instrument, welches die Vorstellung von Sicherheiten hervorruft, die nichts mit der Realität zu tun haben.

Das Schlimmste an der Krise sei, dass wir das retten, was uns ausgeplündert hat. Wir befänden uns in der absurden Lage, in der die Staaten im Wesentlichen verschuldet sind, weil globale Akteure keine Steuern zahlen und der Staat sich diese entgangenen Einnahmen leihen muss. Aus diesem Grund wehren sich diese Akteure gegen die Dokumentation ihrer Transaktionen, da ansonsten das Verständnis des Systems in der breiten Masse zu weiteren Maßnahmen führen könnte.

Die Staaten müssen jetzt zusammenhalten. Das Handeln auf Ebene der G 20 ist wichtig für das Vorgehen gegen Steuerparadiese weltweit und die gerechte Besteuerung von globalen Transkationen. Wenn nichts passiere, so die Prognose Radermachers, würden die Staaten in etwa 15 Jahren Pleite gehen. Wir müssen uns koordinieren gegen Plünderung!

Für jene, die sich etwas genauer mit der Materie befassen möchten, empfehlen wir Herrn Radermachers 2011 erschienene Neuauflage des Buches "Welt mit Zukunft: Die ökosoziale Perspektive", welche im Global Marshall Plan - Buchshop erhältlich ist.

(Quellen: youtube.com, topics.nytimes.com; Bilder: agitano.com, m.vorwaerts.de)