11.08.2015 - 16:00

UN-Entwicklungsziele und Global Marshall Plan - was wurde erreicht?

2015 sollte das Ziel darstellen, an dem die Welt ein großes Stück gerechter, fairer und besser ist. Die Vereinten Nationen haben dafür im Jahr 2000 acht Millennium Development Goals ausgemacht, denen sich auch die Global Marshall Plan Initative verschrieben hatte. Nun, fünfzehn Jahre und acht Monate später, ist es an der Zeit, ein Fazit zu ziehen: Was haben die MDGs erreicht und sind Folgeziele nötig?

Stimmen aus unseren Netzwerk dazu:

 

F.J. Radermacher
UN-Entwicklungsziele und Global Marshall Plan - was wurde erreicht?  


Die UN-Entwicklungsziele stellten einen ambitionierten Plan der Weltgemeinschaft zur Verbesserung der internationalen Situation dar.  Die Global Marshall Plan Initiative fand es sehr hilfreich, sich auf die entsprechenden 8 Punkte beziehen zu können und die Ziele breit zu kommunizieren. Es wurde in der Verfolgung dieser Ziele durch die Weltgemeinschaft in den letzten Jahren tatsächlich einiges erreicht, auch wenn von Zielerreichung nicht die Rede sein kann. Die Fortschritte sind auch kleiner, als es die Politik zu kommunizieren versucht. Ein substantieller Teil der Fortschritte, die verkündet werden, hat auch zu tun mit nachträglichen Modifikationen der Ziele und insbesondere geschickter Gestaltung der Statistik. Letztlich bleibt aber in einer Gesamtbewertung wichtig, dass Fortschritte erreicht wurden. Jetzt ist das Jahr 2015 erreicht – wie soll es weitergehen?
 
Die Welt hat sich für Nachhaltigkeitsziele 2015-2030 für alle Staaten der Welt entschieden. Der Übergang zu den Sustainability-Zielen für die ganze Welt ist konsequent und gibt jetzt ein Raster für die nächsten 15 Jahre vor. Wir sollten als Global Marshall Plan Initiative die neuen Ziele genauso aufmerksam in der Umsetzung verfolgen wie die alten und bei den alten Zielen nicht nachlassen. Im Minimum sollten die bisherigen Ziele bis 2030 umgesetzt und dazu weiter verfolgt werden.
 
Eine detailliertere Einschätzung zu der Gesamtthematik „Neue Ziele – alte Ziele“ findet sich in dem Beitrag „Globale Entwicklungsagenden, Nachhaltigkeit, Zukunft – Navigieren in schwierigem Gelände“ von F. J. Radermacher (In: „Die Post 2015-Agenda für nachhaltige Entwicklung – Eine kritisch-rationale Reflexion über ihre Auswirkungen auf die Entwicklungspolitik“ (Petra Bruns, Hrsg.), Reihe Weltwirtschaft und Internationale Zusammenarbeit Nr. 17, Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden, S. 71-107, 2015). Wir klären gerade mit dem Verlag ab, ob wir den Text auf der FAW/n-Homepage (www.faw-neu-ulm.de) allgemein verfügbar machen können.
 
Interessant ist ansonsten, dass in den letzten Jahren in Bezug auf unsere Ökosoziale Agenda relativ viel passiert ist, und zwar in Bereichen, in denen wir als Global Marshall Plan Initiative entsprechende Forderungen erst gar nicht artikuliert hatten, weil wir eine Umsetzung als zu wenig realistisch erachtet hatten. Die Realität ist also in einigen Bereichen deutlich über das hinausgegangen, was wir in der Global Marshall Plan Initiative explizit gefordert haben. Das betrifft vor allem den Finanzsektor, die Rolle der Steuerparadiese und grenzüberschreitende Besteuerungsfragen. Die eingetretenen Veränderungen sind eine Folge der großen Finanzkrise 2007/2008. Man erkennt erneut, dass Krisen hilfreich sein können. Auch hierzu gibt es eine umfangreiche Darstellung in dem Paper von F. J. Radermacher „“…und sie verändert sich doch“ (FAW/n-Report 2015 (www.faw-neu-ulm.de) und Langfassung des Beitrags „Große Erfolge der Ökosozialen Agenda, erscheint in: Senate 03/2015).
 
Insgesamt ist die Situation für die Global Marshall Plan Initiative durchaus ermutigend. Es macht auf jeden Fall Sinn, unsere generelle Agenda weiter zu verfolgen und nicht locker zu lassen.

Josef Riegler
Unsere geistige Saat beginnt aufzugehen!

Seit 2003 - also 12 Jahre lang - bemüht sich unser idealistisches Netzwerk in der Global Marshall Plan Initiative um den dringend notwendigen Paradigmenwechsel in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik auf lokaler, europäischer und globaler Ebene. Es geht um den Umstieg von einem zerstörerischen System des ausschließlich profitgetriebenen Marktfundamentalismus hin zu einem System von Wirtschaft und Gesellschaft, in welchem eine leistungsfähige Wirtschaft in richtiger Balance ist zu sozialer Solidarität, ökologischer Nachhaltigkeit und Respektierung der jeweiligen kulturellen Identität. Dafür haben wir den Begriff "weltweite Ökosoziale Marktwirtschaft" geprägt.

Lange Zeit schien es, dass wir gegen Windmühlen anrennen. Aber Mühe und Durchhaltevermögen waren nicht vergeblich.

Plötzlich gerät auch auf globaler Ebene geistig sehr viel in Bewegung - und zwar in unsere Richtung!

  • Weltbank, OECD, UNO und andere globale Institutionen arbeiten am Modell einer "Green and Inclusive Economy" - vergleichbar unserer Ökosozialen Marktwirtschaft.
  • Die Enzyklika "Laudato si" von Papst Franziskus ist ein wertvoller geistiger Impuls, der unsere Bemühungen unterstützt.
  • Bei den Vorbereitungen für den Welt-Klima-Gipfel im Dezember in Paris sind positive Signale - sogar von den USA und von China - zu vernehmen. Die Einrichtung eines Kima-Fonds in Höhe von 100 Mrd. Dollar pro
  • Jahr käme unserer Forderung nach zusätzlichen Mitteln für eine nachhaltige Entwicklung einen Schritt näher.
  • Der zu erwartende Beschluss der UNO über die "Sustainable Development Goals" für die Zeit 2015 - 2030 bei der Generalversammlung im September ist ein wichtiger Schritt im Sinne des "Global Marshall Plan für  eine weltweite Ökosoziale Marktwirtschaft".

Das sind ermutigende Signale für unseren Einsatz und unsere Arbeit! Sehr entscheidend wird sein, wie die Vorhaben in der Praxis umgesetzt werden. Dabei wird der positive Druck einer wachen Zivilgesellschaft auf Regierungen und Institutionen für den Erfolg wesentlich sein. Wir dürfen uns mit vielen Partnern auf spannende Aktivitäten freuen!!! 

 

Christian Berg, Mitglied im Präsidium der Deutschen Gesellschaft Club of Rome,
äußerte sich im Interview mit tagesschau24 zur Thematik:

 


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