14.06.2017 - 09:15

Studientipp: Was ist Umweltpsychologie?

Ab welcher Anzahl und bei welcher Anordnung werden Windkrafträder als unästhetisch angesehen und was kann man machen, damit Menschen diese generell stärker akzeptieren? Warum hat man das Gefühl, dass viele Leute Umweltschutz zwar als wichtig erachten, aber dennoch nicht handeln?  Wie schafft man es, dass Menschen keine Einwegbecher mehr verwenden, mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren oder weniger Lebensmittel wegwerfen?

All dieses sind Fragen, mit denen sich die Umweltpsychologie befasst. Umweltpsychologie ist eine noch recht junge, anwendungsorientierte Teildisziplin der Psychologie und beschäftigt sich mit der Wechselwirkung von Personen und ihrer bebauten und natürlichen Umgebung. Das bedeutet, dass sie sich zum einen mit dem Einfluss der Umgebung auf das Verhalten, Wohlbefinden und die Wahrnehmung der Umgebung auseinandersetzt und zum anderen mit dem Einfluss des Menschen auf die natürliche Umwelt. Dazu gehört zum Beispiel das umweltschützende oder -gefährdende Verhalten. In den Anfängen in den 50er Jahren war die Umweltpsychologie vor allem durch einen architekturpsychologischen Schwerpunkt gekennzeichnet. Es stand die Wahrnehmung der bebauten Umwelt im Vordergrund, das heißt zum Beispiel wie der Aufbau von Gebäuden und Wohnvierteln Vandalismus fördert.

Ab den späten 60er Jahren rückte dann die natürliche Umwelt immer weiter in den Vordergrund. Mit zunehmender Beachtung des Klimawandels und dem menschlichen Einfluss darauf, wurde auch der Zweig dieser umweltpsychologischen Forschung stärker. Durch die Erkenntnisse der letzten 30 Jahre wird immer deutlicher, dass es notwendig ist, dass Menschen ihr Verhalten verändern um dem Klimawandel entgegen zu wirken und zu einer Klimagerechtigkeit zu gelangen.

Die Frage ist nun, wie man diese Veränderungen erreicht. Einfache Verbote und Effizienzsteigerungen von Produkten sind häufig nicht ausreichend. Verbote können beispielsweise zu Reaktanz führen, das heißt Personen reagieren mit Widerstand auf ungewollte äußere Einschränkungen. Die verboten Alternativen wirken so besonders erstrebenswert und führen zu einer trotzigen „dann erst recht“-Haltung. Eine reine Effizienzsteigerung kann ebenfalls in eine nicht gewollte Form von Verhalten umschlagen.

Sparen Personen beispielsweise Geld indem sie Energie sparen, kann dieses genutzt werden um andere umweltschädliche Verhaltensweisen auszuführen. Von dem gesparten Geld könnte so eine Flugreise finanziert werden und damit das globale Klima zusätzlich belastet werden. Ein anderes Beispiel ist das Autofahren. Entscheidet man sich beim Kauf eines Autos für ein benzinsparendes Modell, kann dieses dazu führen, dass das Auto im Endeffekt mehr genutzt wird, als wenn es mehr verbrauchen würde. Man hat dann das Gefühl ja schon etwas Gutes für die Umwelt zu tun, indem man ein spritsparendes Modell fährt, da kann man dann ja auch eben die 500 Meter zum Einkaufen mit dem Auto fahren. Ist ja auch nicht so weit. Dieses Phänomen nennt sich Rebound-Effekt.

Die Umweltpsychologie befasst sich nun damit, wie sich umweltschützendes Verhalten steigern lässt und/oder sich umweltschädliches Verhalten reduzieren lässt ohne gleichzeitig kontraproduktive Effekte hervorzurufen. Hierzu dienen Verhaltensmodelle, die Handlungen von Menschen erklären können. Aufgrund dieser Modelle und den darin spezifizierten Einflussfaktoren können dann wiederrum Maßnahmen entwickelt werden, die umweltfreundliches Verhalten fördern sollen. Dazu gehört beispielsweise die Entwicklung von Kampagnen, Veranstaltungen und Wissenstransfers.

Eine Frage in der Umweltpsychologie ist auch, wie man die Gefahren des Klimawandels und dessen Auswirkungen den Personen bewusst machen kann. Oftmals ist das Problem, dass der Klimawandel als abstraktes, unbestimmtes und zeitlich in der Zukunft liegendes Problem angesehen wird. Das macht es weniger greifbar, weniger emotional.

Viele Menschen fragen sich, was ihr eigenes Verhalten eigentlich damit zu tun hat und was sie alleine schon bewirken können. Es ist eh alles so unsicher was in der Zukunft passiert, da macht es auch nichts, wenn man mal eben um die Welt jettet. Das Flugzeug wäre ja eh geflogen. Mit einem oder ohne. All diese Faktoren sind hinderlich um die Relevanz der Verhaltensänderung bewusst zu machen und Muster zu durchbrechen.  Auch hier können psychologische Mechanismen helfen, die Notwendigkeit dafür in den Fokus zu rücken. Außerdem werden Rahmenbedingungen und Gestaltungsmöglichkeiten von partizipativen Verfahren in der Umweltpsychologie behandelt, die zu einer Beteiligung, Akzeptanz oder Bildung führen sollen.

In der Umweltpsychologie ist eine starke Verknüpfung zu anderen Disziplinen ist wichtig um ein ganzheitliches Bild zu bekommen. Neben der Zusammenarbeit mit Architekten und Geografen ist vor im Klimaschutzbereich die enge Vernetzung zu Umweltwissenschaften wichtig. Hieraus lassen sich Handlungsbedarfe und einflussreiche Handlungsfelder aufdecken.

Umweltpsychologie ist nur an wenigen Unis im Lehrplan vertreten. Eine Sonderstellung hat hier die Otto-von-Guericke Universität in Magdeburg. Hier wird ein  umweltpsychologischer Masterstudiengang angeboten. Dieses ist noch einzigartig in Deutschland.

Seit vergangenem Oktober lässt sich in Koblenz-Landau jedoch auch ein Bachelorstudium beginnen, das unter anderem einen Fokus auf Umweltpsychologie legt. Dieser Studiengang heiß Mensch und Umwelt: Psychologie, Kommunikation, Ökonomie. Ein positiver Aspekt an der Umweltpsychologie ist die Vielfältigkeit und das breite Handlungsfeld. Dadurch lassen sich auch nach dem Studium viele Wege einschlagen und Berufsfelder entdecken.

 

Ein Artikel von LYDIA HEILEN

 

Bildquellen:

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