Rio+20 – Ergebnis und Lehre

Nichtregierungsorganisationen und Umweltaktivisten sind sich einig: Das Gipfeltreffen in Rio endete am Freitag den 18. Juni 2012 mit einem eher ernüchternden Ergebnis.

Schon festgelegte Ziele wurden wieder bekräftigt, allerdings kam es zu keinen bahnbrechenden Veränderungen des internationalen Entwicklugskurses. Die letztlich geringen Erwartungen an die Umweltverhandlungen wurden mit einem kompromissreichen Schlussdokument, von Brasilien ausgearbeitet, bestätigt. Schon vor dem eigentlichen Beginn des Gipfels wurde über das Ergebnis abgestimmt, so dass wenig Raum für Veränderung und neue Ansätze war, die durch Neuerkenntnisse der Verhandlungen gewonnen werden hätten können. Die Hoffnung auf Ergänzung der globalen Entwicklungsziele nach 2015 bis 2030 durch Nachhaltige Entwicklungsziele (sog. Millennium Sustainability Goals), sowie ein institutioneller Fortschritt für eine Neuorganisation der Umweltzuständigkeit im UN-System, wurden nicht erreicht.

Zu diesem Ergebnis trugen Staaten wie Deutschland durch ihre fehlende Anwesenheit am Gipfel bei, indem sie ihre Geringschätzung des Themas signalisierten. Im Kontrast zu Rio1992, ist Rio+20 nicht länger ein G8 Projekt. Der Ausgang wurde von Ländern niedrigen- und mittleren Einkommens geprägt. Somit besteht das Entwicklungsmodell, basierend auf einem Ressourcen-extensiven Wachstum fort. Jedoch ist wirtschaftlicher Wachstum nicht gleichzusetzten mit menschlicher Entwicklung, welche laut dem UNDP Human Development Report 2010 neu definiert werden sollte. Der Report zeigte auf, dass eine mehrdimensionale Herangehensweise an Themen wie Armut und Entwicklung notwendig ist um globale Erfolge, wie die Millennium Development Goals (MDG), zu erreichen. Die innere Ungleichverteilung von Staaten behindert Fortschritte und sollte somit expliziter angegangen werden. Des Weiteren ergab auch das Ergebnis der internationalen Konferenz „Beyond Crisis“ im Juli 2010 in Bonn, dass der Focus nicht auf Durschnitterfolge liegen sollte, sondern auf individuelle Ungleichheiten innerhalb Staaten und Einzelner Individuen.

Fazit und Lehre aus Rio+20 ist somit, dass einzelne Staatengruppen voran gehen müssen und nicht auf einen globalen Konsens warten dürfen, den es anscheinend nicht so schnell geben wird. Besonders wohlhabendere Länder sollten ihren Teil zu einem Gelingen beitragen. Ökologische Probleme können nicht nur in einer Konferenz gelöst werden, sondern ein Umdenken der Bevölkerung ist notwendig. Das würde bedeuten, weniger zu konsumieren und mit viel geringeren Umweltauswirkungen zu leben.

Was können oder müssen wir außerdem, auch über die Rio+20 Konferenz hinweg, selbst tun? Dr. Klaus Schilder, freier Mitarbeiter der Nichtregierungsorganisation Global Policy Forum Europe, bündelt seine Vorschläge für einen neuen Kurs der Nachhaltigkeit im Informationsbrief Weltwirtschaft & Entwicklung. Er legt die Notwendigkeit der Überwindung der strukturellen Ursachen für Armut und Ausgrenzung dar. Nach Schilder muss die Debatte politisiert werden, um einen partizipativen und demokratischen Prozess anzustoßen. Im Vordergrund sollten hierbei Gerechtigkeits- und Machtfragen stehen. Das heißt, ein neuer Ansatz von „unten nach oben“ ist gefragt: Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung! Die zivile Bevölkerung muss auf globale Probleme und Ziele der UN aufmerksam gemacht werden, um Druck auf die Regierungen ihrer Staaten ausüben zu können. Nur durch ein nachhaltiges und ganzheitliches Umdenken der Bevölkerung wird ein „grünes Wachstum“ möglich sein.

Für vertiefende Informationen bezüglich verschiedener Standpunkte zu den Ergebnissen von Rio+20 hat UmweltDialog die Stimmen einiger NGOs im Dossier: Reaktionen und Meinungen zu Rio+20 zusammengefasst.

(Quellen: www.uncsd2012.org, www.seri.at, Informationsbrief Weltwirtschaft & Entwicklung, Dossier: Reaktionen und Meinungen zu Rio+20)