Prof. Radermacher: Klimapolitik nach Doha

Erwartungsgemäß wurden bei Weltklimakonferenz in Doha kaum Fortschritte in der Ausarbeitung geeigneter Maßnahmen gegen den Klimawandel erzielt. Prof. Dr. Franz Josef Radermacher, Mitinitiator der Global Marshall Plan Initiative, hat nun den Text „Klimapolitik nach Doha – Hindernisse in Lösungen verwandeln“ verfasst. Darin zeigt er die einzige für ihn realistische Lösungsstrategie auf, um die Folgen des Klimawandels abzumildern.

Das Zwei-Grad-Ziel scheint längst nicht mehr erreichbar zu sein. Die Drosselung des weltweiten CO2-Ausstoßes müsste mittlerweile so weit gehen, dass sie Wohlstand bzw. Wachstumsambitionen der aufholenden Länder entgegensteht. Stattdessen sind neue Ansätze gefragt: „So viel wie notwendig wäre kann kurzfristig gar nicht gedrosselt werden. Die neue Aufgabe besteht darin, den CO2-Gehalt der Atmosphäre aktiv zu managen.“ China und die USA haben einen Kompromiss entwickelt, der die Kyotoformel fortschreibt und das Potential hat, als Basis für einen Weltklimavertrag ab 2015 zu dienen. Freiwillige Zusagen der Staaten stellen den Kern dieses Kompromisses dar.

Während die Industrieländer ihre Emissionen absolut absenken, senken die Nicht-Industrieländer ihre Emissionen relativ zu ihrer wirtschaftlichen Wachstumsrate ab. In beiden Fällen erklären die Staaten selber, wie viel sie absenken. Zusätzlich fließen freiwillige Zahlungen industrialisierter Länder in einen Klimafonds zu Gunsten nicht-industrialisierter Länder. Alle wichtigen Staaten haben ihre Zustimmung bereits signalisiert.

Dieses Konzept ergänzt Prof. Radermacher mit zwei „Jokern“: Eine Stilllegung von Emissionsrechten – auf wohlstands- und wachstumskompatible Weise - muss zwischen den Staaten der Welt fixiert werden. Außerdem muss durch ein Weltaufforstungsprogramm CO2 aus der Atmosphäre entzogen werden.

Die Finanzierung dieser Maßnahmen kann durch Akteure des Privatsektors geschehen. Unternehmen, Organisationen und Privatpersonen wollen immer öfter aus Reputationsgründen, politischen Erwägungen oder ethischen Motiven klimaneutral sein. Somit ist in diesem Szenario die Finanzierung von Klimaneutralität durch den Privatsektor der Schlüssel für ein funktionierendes Weltklimaregime.

Den letzten Baustein stellt die Einrichtung einer reputationsrisikofreien Plattform für den Zertifikatehandel (Stilllegung; Aufforstung) dar. „Über den Verkauf von Zertifikaten für Stilllegungszwecke können jährlich auch die 100 Milliarden Dollar erschlossen werden, die für den ebenfalls in Kopenhagen verabredeten Weltklimafonds zur Förderung der Zusammenarbeit von Nord und Süd erforderlich sind.“

Es gilt in jedem Fall, schnell zu handeln und neues Denken zu praktizieren. Dann gibt es aus Sicht von Prof. Radermacher noch eine Chance, dass Zwei-Grad-Ziel zu erreichen.

Lesen Sie den vollständigen Artikel von Franz Josef Radermacher hier.

(Quelle: Klimapolitik nach Doha; Bilder: n24.de, obernberg.at, mikado-online.de)