17.03.2016 - 11:00

Politischer Konsum - Der Einkauf als Statement

Kosmetik ohne Tierversuche, Fair Trade Kaffee oder die Äpfel vom deutschen Bauer nebenan. Auswahl und Verbrauch von Gütern ist längst keine reine Versorgung mehr.

 

Politischer Konsum definiert sich dadurch, dass das Kaufverhalten eine Botschaft vermittelt und Wirtschaft, Gesellschaft und Politik durch Konsumentscheidungen beeinflusst werden sollen. Egal, ob man diese Art des Konsums als politisch, ethisch oder bewusste benennt, sie folgt der Grundüberlegung, dass durch den eigenen Konsum ein öffentliches Interesse vertreten wird. Doch warum sind persönliche Kaufentscheidungen so wichtig?

Die Weltbevölkerung wächst, die Ressourcen verschwinden und die Umwelt leidet. Das sind keine Neuigkeiten mehr. Die Verantwortung wird oft hauptsächlich einflussreichen Konzernen, Industrie- und Energiegroßunternehmen zugewiesen. Zu Bedenken ist aber auch, dass wir, die Konsumenten, verantwortlich für ihre Gewinne und somit ihre Existenz sind.

Laut Bundeministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) ist „allein der Konsum der privaten Haushalte (…) für mehr als ein Viertel aller Treibhausgasemissionen in Deutschland verantwortlich“. Die Produktion der Konsumgüter noch nicht einbezogen.

Und genau hier setzt politischer Konsum ein. Man unterstützt bewusst Produktionsbedingungen/ Handlungsweisen/ Gewinnstrategien und hinterfragt seine Kaufentscheidungen. Absichtsvolle Kaufentscheidung werden auch als „buycott“ bezeichnet, die Vermeidung bestimmter Produkte als „boycott“.

Unser Konsum hat weitreichende globale Folgen. Zum einen werden durch Gebrauch und Herstellung von Gütern Umwelt und Weltklima belastet, zum anderen wirken sich die Produktionsbedingungen auf die soziale und wirtschaftliche Situation vieler Menschen, v.a. in Entwicklungsländern, aus. Immer mehr Menschen erkennen die die damit verbundene Verantwortung, aber auch Macht des Konsumierens.

Eine aktuelle Studie der Universität Düsseldorf und Utopia haben ergeben, dass mittlerweile fast alle Konsumenten in Deutschland in irgendeiner Weise politisch konsumieren, besonders bei Lebensmitteln, Kosmetik oder Kleidung und Schuhen. In anderen Bereichen wie z.B. bei Geldanlagen oder technischen Geräten sind den Befragten „politische, ethische oder ökologische Gründe beim Einkauf sehr wichtig“, aber im Durchschnitt wird nur selten danach gehandelt.

Überraschenderweise schätzten die Teilnehmer der Studie den politischen Kauf wirksamer ein als etablierte politische Partizipationsformen wie Wahlen oder Demonstrationen.

Wird angestrebt so zu leben, wohnen, einzukaufen und sich fortzubewegen, dass der Rest der Welt nicht darunter leidet wird dieses Verhalten als „nachhaltiger Konsum“ bezeichnet.  

Drei Kriterien spielen dafür eine entscheidende Rolle: Effizienz, Suffizienz und Konsistenz.

D.h. beim nachhaltigen Konsumieren werden die Endprodukte durch eine sinnvolle und ergiebige Nutzung von Rohstoffen und Energien produziert, Konsum findet im richtigen Maß statt und Abfälle werden durch wiederverwertbare Ressourcen vermieden.

Nachhaltiger Konsum betrifft somit alle Phasen der Wertschöpfungskette von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung/Verwertung.

Es wäre erstrebenswert, dass die Leitidee von Nachhaltigkeit als Qualitätsmerkmal von Produkten für Verbraucher, aber auch für die Wirtschaft selbstverständlich wird.

Auf Seite der Verbraucher scheint diese Idee starken Aufschwung zu haben (s.o. Studie Uni Düsseldorf/Utopia). Was auf Seite der Wirtschaft geschieht ist noch sehr heterogen. Auch wenn der Begriff der „Corporate Social Responsibility“ (CSR) gerade Hochkonjunktur erlebt und es einerseits einige nachhaltige Entwicklungen in Unternehmen gibt, wird der Begriff andererseits häufig willkürlich und imagefördernd ausgelegt. Präsent sind die Fokussierung auf Profitstreben und Marktfundamentalismus.  Hier fordert die ökosoziale Marktwirtschaft einen Ordnungsrahmen, der zum Umdenken führen soll Nachhaltigkeit an oberste Stelle zu setzen. Beispielsweise indem die Nutzung der Umwelt nicht mehr kostenfrei, sondern als Produkt gehandelt wird und Energie- und Energieträgerverbrauch besteuert werden, wird Druck auf Unternehmen ausgeübt.

Die „Welt retten“ ist durch politischen Konsum nicht vollkommen möglich. Aber bewusstes konsumieren schont Umwelt und Ressourcen und hilft dabei ein Wertesystem zu etablieren, auf das die ökosoziale Marktwirtschaft aufbauen kann.


Tipps und Ideen für einen politischen, nachhaltigen Konsum:

  • Umweltfreundlich: Energie- und Ökobilanzen der Produkte beachten, schadstoffarme Produkte wählen, Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft bevorzugen.
  • Regional: Viele Produkte aus der Region kaufen, Aufträge eher an ortsansässige Handwerker vergeben, saisonale Lebensmittel kaufen.
  • Fair: Produkten aus fairem Handel mit Entwicklungsländern und aus benachteiligten Regionen den Vorzug geben.
  • Sparsam: Ressourcen möglichst sinnvoll verbrauchen, z.B. was waschen, spülen, heizen, Beleuchtung oder fortbewegen angeht.
  • Einkauf: Öfters auch mal ohne Auto zum Einkaufen.
  • Planung: Nur wirklich benötigte Produkte anschaffen oder lieber häufiger einkaufen. Lebensmittel am besten nicht verderben lassen, da dann der Energie- und Ressourcenverbrauch zur Herstellung umsonst war.
  • Verpackungen: Auf ressourcenschonende Verpackungen von Produkten achten und diese anschließend recyceln, beispielsweise Mehrwegflaschen kaufen.
  • Second Hand: Produkte wiederverwenden, Second-Hand Läden, Flohmärkte und Online Verkaufsplattformen wie z.B. eBay nutzen.
  • Reparieren: Statt gleich neu kaufen besser erst versuchen zu reparieren, Repaircafés und –shops nutzen.
  • Shareconomy: Sharing-Projekte ausprobieren, mieten statt kaufen.
  • Erneuerbare Energien: Bei der Auswahl seiner Energielieferanten auf die Erzeugung achten.
  • Bankgeschäfte: Sich informieren was mit seinem Geld passiert, ökosozial oder bei einer Genossenschaftsbank anlegen.

 

 

von Gina Patczowsky.


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