15.01.2016 - 14:30

Wie lassen sich die SDGs in der Politik umsetzen?

Unsere Partner vom Südwind Magazin haben bei österreichischen Politikern nachgefragt, wie sich die nachhaltigen Entwicklungsziele der Internationalen Gemeinschaft in die nationale Politik übertragen lassen.

Auf die Plätze, fertig …

Und los: Bald haben alle Länder der Erde neue Ziele vor Augen. Nora Holzmann vom Südwind Magazin hat einen Blick auf die nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) geworfen und sich bei österreichischen PolitikerInnen nach der Umsetzung

Drei Jahre lang wurde intensiv daran gearbeitet, in einem sehr partizipativen Prozess durfte auch die Zivilgesellschaft mitreden, nun ist sie fertig: die erneuerte Wunschliste für eine bessere Welt. Anfang August wurde das Abschlussdokument zu den Nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs – Sustainable Development Goals) in New York fertiggestellt, Delegierte aus 193 Ländern einigten sich aufeinen Aktionsplan bis zum Jahr 2030. Beim UN-Gipfel vom 25. bis 27. September sollen die neuen Entwicklungsziele dann endgültig beschlossen werden


Von 8 auf 17. Die SDGs unterscheidet mehr als nur ein Buchstabe von ihren Vorläufern, den MDGs (Millennium Development Goals).


 

Zum ersten sind es deutlich mehr, nämlich 17 Ziele und 169 so genannte Unterziele. Diese Zahl entspricht auch eher der Komplexität des Themas Entwicklung. Inhaltlich gehen sie weit über die MDGs hinaus; nicht nur sozialpolitische, auch wirtschaftliche,  friedenspolitische oder ökologische Anliegen finden viel Raum. Zum zweiten sollen die neuen Ziele universell für alle Länder gelten. Während bei den MDGs nur eines von acht Zielen auch die reicheren Staaten einbezog, betreffen die SDGs nun alle Länder gleichermaßen. Denn kein Land hat etwa Geschlechtergerechtigkeit erreicht oder ist frei von jeglicher Armut. „Wir sind jetzt alle Entwicklungsländer“, hieß es von der deutschen Delegation bei einem Treffen in New York. Entlässt das die wohlhabenderen Länder aus ihrer Verantwortung, finanziell und politisch zur Entwicklung in ärmeren Ländern beizutragen? KritikerInnen sehen hier eine Gefahr.

Konkret werden. Eine weitere Sorge vieler ist die Frage nach der Messbarkeit, den so genannten Indikatoren. Extreme Armut soll nun vollkommen beseitigt, Konflikte sollen friedlich gelöst, nachhaltige Konsum- und Produktionsweisen gefördert werden. Wie können derart ehrgeizige oder allgemein formulierte Ziele überprüft werden? Und wie kann eine konkrete Umsetzung überhaupt aussehen?
Das wird Hauptthema beim Gipfel Ende des Monats sein.

Fest steht: Die Ziele müssen innerhalb der einzelnen Länder umgesetzt werden, aber es muss auch durch internationale Zusammenarbeit und Außen- und Wirtschaftspolitik im Interesse von Entwicklung zu den SDGs beigetragen werden. Einige Staaten haben bereits Pläne zur Umsetzung entworfen, von Österreich sind keine bekannt.

Das Südwind-Magazin hat die neuen Ziele für die Welt zum Anlass genommen, um zu erfahren, wie die im österreichischen Parlament vertretenen Parteien die SDGs sehen und welche Standpunkte sie zu Entwicklungspolitik allgemein vertreten. Befragt wurden jene Parlamentsabgeordneten, die in ihren Parteien inhaltlich für das Thema Entwicklungszusammenarbeit zuständig sind. (Vom Team Stronach sind keine Antworten eingelangt.)

 


Die 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung der Welt

  1. Armut in jeder Form und überall beenden.

  2. Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern.

  3. Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern.

  4. Inklusive, gerechte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle fördern.

  5. Geschlechtergerechtigkeit und Selbstbestimmung für alle Frauen und Mädchen erreichen.

  6. Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle gewährleisten.

  7. Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und zeitgemäßer Energie für alle sichern.

  8. Dauerhaftes, inklusives und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern.

  9. Eine belastbare Infrastruktur aufbauen, inklusive und nachhaltige Industrialisierung fördern und Innovationen unterstützen.

  10. Ungleichheit innerhalb von und zwischen Staaten verringern.

  11. Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig machen.

  12. Für nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sorgen.

  13. Umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen.

  14. Ozeane, Meere und Meeresressourcen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung erhalten und nachhaltig nutzen.

  15. Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, Wüstenbildung bekämpfen, Bodenverschlechterung stoppen und umkehren und den Biodiversitätsverlust stoppen.

  16. Friedliche und inklusive Gesellschaften im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung fördern, allen Menschen Zugang zur Justiz ermöglichen und effektive, rechenschaftspflichtige und inklusive Institutionen auf allen Ebenen aufbauen.

  17. Umsetzungsmittel stärken und die globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung wiederbeleben.


Das Südwind-Magazin hat sich bei jenen österreichischen Parlamentsabgeordneten, die in ihren Parteien für das Thema EZA zuständig sind, erkundigt, wie sie die SDGs und die Entwicklungspolitik im Allgemeinen sehen.*

* Vom Team Stronach sind keine Antworten eingelangt.

Erstmals erschienen im Südwind-Magazin 9/2015 www.suedwind-magazin.at

Infos zu den Abo-Varianten unter www.suedwind-magazin.at/abo
 


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