16.04.2013 - 15:00

Klimawandel bedroht Ernährungssicherheit


Experten aus aller Welt widmen sich Fragen der Ernährungssicherheit und kommen zur Erkenntnis, dass der Klimawandel vor allem die Versorgung der Armen bedroht.

Die Welt wird bis 2050 rasant weiterwachsen, wobei vor allem die Bevölkerungszahlen in den Entwicklungsländern explodieren werden. Allein in Afrika werden sich die Menschen bis dahin um mehr als verdreifachen - auf prognostizierte 3,6 Milliarden. Da sich die Preise für Grundnahrungsmittel in diesem Zeitraum verdoppeln werden, bedeutet dies die weitere Verarmung der Menschen in Afrika und Asien. Experten machen dafür zu einem großen Teil den Klimawandel verantwortlich, welcher mit extremen Wetterlagen, Fluten und Dürrekatastrophen zu einer massiven Beeinträchtigung der Nahrungsmittelproduktion führt. Dass auch Industrienationen längst aufgrund vermehrter Wetterextreme Ernteeinbußen einfahren müssen ist nichts Neues – die Lage wird sich weiter zuspitzen.

CEO des CGIAR-Konsortiums (Consultative Group on International Agricultural Research) Frank Rijsberman macht deutlich, dass die Produktion von Nahrungsmitteln bis 2050 um 60% steigen müsste, um allein der steigenden Nachfrage Stand halten zu können. Ansonsten würde die Zahl der Unterernährten in den Entwicklungsländern, welche kaum Möglichkeiten haben sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen, von aktuell rund einer Milliarde drastisch steigen. Eine US-Studie aus dem Jahr 2011 machte so deutlich, wie die Erderwärmung erreichte Ertragsanstiege durch Ernteverluste abmindert.

Immer wieder wurden die möglichen und teils gravierenden Folgen einer Temperaturerhöhung von mehr als 2 °C berechnet. Die Aussichten, dass dieses Ziel noch eingehalten wird, sind inzwischen nach Expertenmeinung mehr als fraglich.

Der Chef der Uno-Welternährungsorganisation (FAO) sagt: "Mit den heute genutzten Technologien ließen sich rund zehn Milliarden Menschen ernähren." Derzeit werden allerdings nur 20% dieser Möglichkeiten ausgeschöpft. Ein heikler Punkt ist außerdem die schockierende Verschwendung an Lebensmitteln, welche etwa 1,3 Milliarden Tonnen im Jahr ausmacht. Valentin Thurns Dokumentation „Taste the Waste“ macht auf die traurige Absurdität unserer Wegwerfgesellschaft aufmerksam und macht deutlich, dass die globale Ernährungsproblematik vor allem eine Verteilungsfrage ist.

Jeder Einzelne kann seinen Beitrag leisten um die Ernährung der Weltbevölkerung zu sichern. Beispielsweise durch bewusstes Konsumverhalten, eine zunehmend vegetarische Ernährung oder bewusste Aufklärung anderer, um diese für das Thema zu mobilisieren und nachhaltig ein Umdenken herbeizuführen. WFP-Chefin Ertharin Cousin ruft zu raschem Handeln auf, um die Ärmsten der Welt zu schützen.

Im Originalartikel auf spiegel.de findet Sie außerdem Grafiken, die den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Ernte über die Zeit global abbilden.

(Quelle: spiegel.de, tastethewaste.com)