11.03.2013 - 14:15

Greenpeace Aktuell: Besseresser

Sie haben es satt. Zweieinhalb Millionen Deutsche machen nicht mehr mit bei Wurst, Schnitzel und Hack. Rund 820.000 verzichten sogar auf Milch und Eier. Tiere, Umwelt, Gesundheit oder alles zusammen – Vegetarier und Veganer nennen gewichtige Gründe für ihre Lebensweise. Und sie werden immer mehr.

„Ein sonderlicher Tierfreund bin ich nicht“, sagt Stefan Wiegard. In seiner Vorstellung waren Vegetarier verbissene Tierrechtler, deshalb wollte er nie einer werden. Jetzt ist er es doch, der Umwelt zuliebe. Der 41-Jährige lebt im tiefsten Münsterland, wo eine Kuh „heute Tier, morgen Wurst ist“. Ein Freund aus der Fleischbranche nannte ihn mal Umsatzverhinderer, und Schwiegermutter kocht eisern Grünkohl mit Wursteinlage. Die einzigen Vegetarier, die er kennt, sind seine 14-jährige Nichte aus Berlin und die aus dem Internet. Da weiß er, dass er nicht allein ist.

Als Exoten gelten Vegetarier aber nur noch auf dem flachen Land. Im Durchschnitt sind sie jung, weiblich, gebildet und leben in der Großstadt. Sie sind Trendsetter, könnte man hinzufügen, denn immer mehr Deutsche essen lieber ohne statt mit: in den knapp 250 vegetarischen und mehr als 40 veganen Restaurants, in der ersten vegetarischen Mensa „Veggie No 1“ in Berlin und in all den anderen Uni-Kantinen, die bereits zu 40 Prozent fleischfreie Gerichte verkaufen. Die neue Liebe zum Gemüse schlägt sich auch in der Mitgliederzahl des Deutschen Vegetarierbunds (Vebu) nieder, die sich seit 2010 auf 7000 verdoppelt hat. Und selbst erklärte Fleischliebhaber wie Fernsehkoch Tim Mälzer, der in einem alten Hamburger Schlachthof ein Restaurant namens „Bullerei“ betreibt, kreieren neuerdings vegetarische Kochbücher.

Die Fleischeslust stagniert schon lange, wenn auch auf hohem Niveau. Seit den 90er-Jahren essen die Deutschen jährlich pro Kopf rund 60 Kilogramm Fleisch – doppelt so viel, wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) maximal empfiehlt. Dafür sterben in Deutschland jedes Jahr mehr als 700 Millionen Tiere, für den Fleischhunger der Weltbevölkerung sind es unglaubliche 56 Milliarden – Meeresbewohner nicht mitgerechnet. Aber waren Schnitzel und Wurst jahrzehntelang zentraler Bestandteil jeder deutschen Hauptmahlzeit, mischt sich neuerdings die eine oder andere Tofufrikadelle dazwischen. In den letzten fünf Jahren hat sich der Absatz vegetarischer Fertiggerichte verdoppelt. Kühn schätzt der Vebu, dass sich schon bis zu neun Prozent der Bevölkerung vegetarisch ernähren, während das Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel 2008 in seiner Nationalen Verzehrs-Studie auf nur 1,6 Prozent kam.

Goldene Ernährungsregeln für Vegetarier und Veganer und alle, die weniger Tier essen wollen, finden Sie hier.


(Quelle: Greenpeace)