12.08.2013 - 16:45

Die Global Marshall Plan Initiative - Hinweise zu einer visionären Idee im Licht der Weltfinanzkrise

Diesen Beitrag hielt Professor Dr. Dr. Franz Josef Radermacher, Mitglied des CLUB OF ROME und Mitinitiator der Global Marshall Plan Initiative, beim 10jährigen Jubiläum der Global Marshall Plan Initiative am 29. Juni 2013 im Exerzitienhaus in Leitershofen bei Augsburg.

Im Folgenden einige Auszüge aus dem Text. Den vollständigen Text (ca. 4,5 Seiten) können Sie hier lesen.

"Die Global Marshall Plan Initiative wurde vor 10 Jahren gegründet zu einem Zeitpunkt, als sich nach den Terroranschlägen vom 11.09.2001 die Welt in eine wenig vielversprechende Richtung entwickelte. Die Zeichen standen auf Konflikt. Gleichzeitig dominierte das markt-fundamentale Paradigma. Die Global Marshall Plan Initiative setzte dem ein ausgewogenes Entwicklungsprogramm entgegen, das der Grundidee des „Marshall Plans für die Welt“ von Al Gore, dem früheren Vizekanzler der USA, folgte, nämlich die Lösung des Klimaproblems mit der Überwindung der Armut zu verknüpfen. Das ist ein typisches ökosoziales Programm, für das Al Gore später aus gutem Grund mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde.

Die Global Marshall Plan Initiative überführte die Ausgangssituation in einen 5-Punkte-Plan, der ein hohes Konsenspotential für viele interessante Gruppen beinhaltet. (...) Wichtig war für die institutionelle Seite der Weltwirtschaft die Betonung der Notwendigkeit einer Ökosozialen Marktwirtschaft, ebenso der Verweis auf globale Gemeingüter und deren Besteuerung und auf die Durchsetzung angemessener Besteuerung im Kontext der Globalisierung, wobei Finanztransaktionen geeignet in die Überlegungen mit einbezogen werden sollten.

Die Verhältnisse in der Welt haben sich in vielfacher Weise weiter entwickelt. Während vor allem die großen wirtschaftlichen Erfolge in den BRIC-Staaten die Umsetzung einiger der Millenniumsziele erheblich gefördert haben, zeigte sich in der Weltfinanzkrise die prinzipielle Schwäche des marktfundamentalistischen Paradigmas. Dies geschieht in einer Weise, dass heute die Nationalstaaten, nachdem sie zu Lasten höherer Schulden die Welt vor einem möglichen Kollaps des Finanzsystems gerettet haben, nun große Schwierigkeiten haben, das Notwendige zu tun. Wir stehen heute vor einer Situation, in der die Menschen vieles über das Notwendige viel besser verstehen als früher, in der also das Denken vieler Menschen stärker in eine ökosoziale Richtung weist, aber der Preis für diesen Erfolg ist die Tatsache, dass die Handlungsfähigkeiten der Staaten stark eingeschränkt sind und selbst die europäischen Staaten untereinander streiten. Das ist das Gegenteil von dem, was wir eigentlich brauchen würden.

Es nähert sich nun das Jahr 2015, zu dem die Millenniums-Entwicklungsziele, die Forderung Nummer 1 im Katalog der Global Marshall Plan Initiative eigentlich abgearbeitet sein sollten. Das wird leider nicht ganz gelingen. Die Welt arbeitet deshalb heute schon an einer Fortsetzung, nämlich an Millennium Sustainability Goals für das Jahr 2030, die reiche wie arme Länder gleichermaßen umfassen sollte. Wir werden von Global Marshall Seite aus sicher auch für diese Global Sustainability Goals eintreten.

Mit Plant-for-the-Planet und mit dem Weltaufforstprogramm der World Forest Foundation des Senats der Wirtschaft haben wir starkes Umsetzungsprojekt identifiziert, mit dem insbesondere auch der junge Felix Finkbeiner Zehntausende von jungen Leuten mobilisieren konnte, das Richtige zu tun. In der wissenschaftlichen Arbeit des FAW/n, beim Senat der Wirtschaft, in der World Forest Foundation argumentieren und arbeiten wir in eine ähnliche Richtung. Aufforsten ist wie das Stilllegen von Klimazertifikaten, ein zentraler Joker, um das 2-Grad-Ziel vielleicht doch noch zu erreichen. Und von der ökonomischen Seite her haben globale Aufforstprojekte den Charakter eines Global Marshall Plan Ansatzes.

Wir tun in Deutschland in der Zusammenarbeit von Global Marshall Plan Initiative, Forum Ökosoziale Marktwirtschaft (FÖS), Doktorandennetzwerk, Club of Rome Deutschland und FAW/n etwas Ähnliches, und zwar mit unserem Projekt „Hochschultage Ökosoziale Marktwirtschaft und Nachhaltigkeit“. (...)"

Die im weiteren Text empfohlenen Bücher:

  • Al Gore: „Angriff auf die Vernunft“ und „The Future: Six Drivers of Global Change“
  • George Soros: „Der Blick geht nach vorn. Fünf Grundpfeiler der Märkte von morgen“
  • Joseph Stiglitz: „Der Preis der Ungleichheit"
  • Roger E. A. Farmer: „How the Economy Works: Conficence, Crashes, and Self-Fulfilling Prophecies“ und „Expectations, Employment and Prices“

Den vollständigen Text (ca. 4,5 Seiten) können Sie hier lesen.

(Quelle: Prof. Dr. Dr. Fanz-Josef Radermacher; Photo: Prof. Dr. Dr. Radermacher beim 10jährigen Jubiläum der Initiative)