16.03.2016 - 11:30

Baustein für eine Welt in Balance - die Sustainable Development Goals

Die Umsetzung der neuen Ziele für nachhaltige Entwicklung sind ein bedeutender Baustein  des Global Marshall Plans auf dem Weg zu einer "Welt in Balance". Wir alle können die Realisierung der SDGs einfordern und die Zukunft mitgestalten.

Am 25. September 2015 haben sich die Staaten der Welt auf die Sustainable Development Goals (kurz: SDGs) geeinigt. Insgesamt gibt es 17 Punkte mit 169 Unterzielen für die nachhaltige Entwicklung, welche bis 2030 erreicht werden sollen. Die SDGs sind die Weiterentwicklung von den Millenniumsentwicklungszielen (MDGs), die 2015 ausliefen, und bis dato das erste Kernziel der Global Marshall Plan Foundation bildeten.

Seit im Jahr 2001 die Millenniumsentwicklungsziele vereinbart wurden, konnten zwar schon in einigen Bereichen Verbesserungen erzielt werden, viele globale Herausforderungen bestehen jedoch weiterhin oder haben sich sogar verschärft.

Die Millenniumsentwicklungsziele wurden zudem oft dafür kritisiert, dass sie die ökologische Dimension von Nachhaltigkeit nicht stark genug berücksichtigen. Insbesondere Umweltbelange wurden bei der Erarbeitung der MDGs zu isoliert betrachtet, was den komplexen und zwischenzeitig auch gewachsenen Herausforderungen nicht gerecht werden konnte.

Ein wichtiger Aspekt bei der Formulierung der Agenda für nachhaltige Entwicklung 2030 ist daher die Betrachtung der Ziele als Einheit: soziale, ökonomische und ökologische Ziele sollen ausgewogen und verknüpft in der Agenda verankert werden. Dadurch werden Überschneidungen und die gegenseitige Beeinflussung und Abhängigkeit der Ziele berücksichtigt.  

Ein weiterer wichtiger Aspekt der SGDs ist, dass sowohl Entwicklungsländer als auch Industrienationen in der Pflicht stehen diese zu erfüllen. Es geht nicht mehr allein darum Entwicklungsländer zu stärken, sondern auch darum, dass Industrieländer Verantwortung in ihrem Land für nationale und globale Probleme übernehmen. Sei es in der Debatte um den CO2 Ausstoß, Inklusion, Konsum und vielen weiteren Bereichen.

Einerseits sollen die SDGs umfassender und andererseits praktikabler sein sollen als die Vorgängerziele.

Die Sustainable Development Goals lassen sich verkürzt dargestellt in verschiedene Handlungsbereiche untergliedern:

Fortführung der MDGs

  1. Armut in jeder Form und überall beenden.
  2. Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern.
  3. Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern.
  4. Inklusive, gerechte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle fördern.
  5. Geschlechtergerechtigkeit und Selbstbestimmung für alle Frauen und Mädchen erreichen.

Neue Bereiche

  1. Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle gewährleisten.
  2. Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und zeitgemäßer Energie für alle sichern.
  3. Dauerhaftes, inklusives und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern.
  4. Eine belastbare Infrastruktur aufbauen, inklusive und nachhaltige Industrialisierung und Innovationen fördern.
  5. Ungleichheit innerhalb von und zwischen Staaten verringern.
  6. Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig machen.

Grüne Agenda                                              

  1. Für nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sorgen.
  2. Umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen.
  3. Ozeane, Meere und Meeresressourcen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung erhalten und nachhaltig nutzen.
  4. Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, Wüstenbildung bekämpfen, Bodenverschlechterung stoppen und umkehren und den Biodiversitätsverlust stoppen.

Governance

  1. Friedliche und inklusive Gesellschaften im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung fördern, allen Menschen Zugang zur Justiz ermöglichen und effektive, rechenschaftspflichtige und inklusive Institutionen auf allen Ebenen aufbauen.

Umsetzung und Partnerschaft

  1. Umsetzungsmittel stärken und die globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung wiederbeleben.

Die Umsetzung der SDGs in Deutschland

In Deutschland wird bereits teilweise an den SDGs gearbeitet, es sind sogar schon viele der Ziele verwirklicht worden:

Besonders im ökologischen Bereich sieht sich Deutschland fortschrittlich. Inzwischen wird ein Viertel unseres Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien gewonnen. Das reduziert die Treibhausgasemissionen enorm. Im Vergleich zu 1990 sind sie 2014 bereits um 27,9 Prozent gesunken. Auch sonst versucht die Bundesregierung eine Vorreiterrolle zu spielen. Beispielsweise werden die, durch Dienstreisen verursachten, CO2 Ausstöße von Politikern kompensiert. Auch im nachhaltigen Bauen geht die Bundesregierung mit gutem Beispiel voran, indem sie nicht nur Richtlinien für nachhaltiges Bauen und Sanieren eingeführt hat, sondern auch selber alle Bundestagsgebäude mit erneuerbaren Energien ausbaut.

Auch im Thema Ernährungssicherheit und nachhaltige Landwirtschaft setzt sich Deutschland für die Erreichung der SDGs ein. Insgesamt wurden seit 1990 die Treibhausgasemissionen durch die Landwirtschaft um 23 Prozent gesenkt. Im gleichen Zeitraum wurde die landwirtschaftliche Produktion um 18 Prozent gesteigert. Eine, seit 2015, aktive Maßnahme ist das sogenannte Greening. Diese Maßnahme umfasst den Erhalt von Dauergrünlandflächen, wie Wiesen und Weiden, eine größere Vielfalt beim Anbau von Feldfrüchten sowie die Bereitstellung von sogenannten ökologischen Vorrangflächen auf Ackerland. Die beim Greening vom EU-Recht eröffneten Handlungsspielräume werden für einen wirksamen Schutz nachhaltiger Flächen genutzt.

Wirtschaftlich gesehen ist Deutschland eine der erfolgreichsten Nationen weltweit. Ziel 8 wird durch stetiges Wirtschaftswachstum und eine niedrige Arbeitslosenquote erreicht. Die Einführung des Mindestlohns hat viele Arbeitsfelder menschenwürdiger gemacht und gleichzeitig dabei geholfen die Produktion zu steigern.

Zudem arbeitet die Bundesregierung an dem fünften Ziel der SDGs und versucht Geschlechtergerechtigkeit in allen Bereichen zu stärken. Beispielsweise hat die Bundesregierung einen Vorschlag für ein „Führen in Teilzeit“ vorgeschlagen, was vor allem Frauen und Müttern die gleichen Chancen wie Männern bietet in Führungspositionen gelangen und selbstbestimmt ihre Karriere und ihr Privatleben zu gestalten.

Insgesamt gesehen kann man innerhalb Deutschlands schon Fortschritte hin zur Durchführung der Ziele für nachhaltige Entwicklung erkennen. Deutschland trägt aber nicht nur nationale Verantwortung in Bezug auf die SDGs, sondern auch internationale. Die Politik darf sich nicht auf den eigenen nationalen Standards, wie beispielsweise dem Fortschritt der erneuerbaren Energien, ausruhen. Besonders Dritte Welt Länder leiden unter entwickelten Ländern, wie Deutschland. Deswegen muss die Regierung auch international agieren und die SDGs auch über ihre Grenzen hinaus verfolgen. Deutschland hat die Verantwortung sich für internationale Rahmenbedingungen aktiv einzusetzen, da die SDGs auf globalen Partnerschaften basieren. Entwicklungshilfen und das 0,7% Ziel sind wichtige und überaus notwendige Bestandteile für Deutschlands Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung. Nur damit kann Deutschland sein Versprechen anderen Staaten gegenüber halten und nur so können die SDGs erfolgreich gelingen.

Aber auch jeder Einzelne kann und muss etwas dazu beitragen, denn im Schnitt verbraucht jeder Deutsche mehr als doppelt so viel an Rohstoffen, als eigentlich für jeden Erdenbürger vorhanden sind.

Aktiv werden:

  • Den eigenen Ressourcenverbrauch zu mindern ist der erste Schritt
  • der zweite muss sein die Politiker aufzufordern, die Ziele auch wirklich im Praktischen umzusetzen.
  • Die Global Marshall Plan Foundation hält einerseits dazu an sein eigenes Leben bedachter zu gestalten, beispielsweise durch nachhaltigen Konsum und durch nachhaltiges Handeln. Ein Beispiel dafür wäre zu einem Stromanbieter zu wechseln, der seinen Strom aus erneuerbaren Energien bezieht.
  • Es ist wichtig seine Umgebung positiv zu beeinflussen und zu inspirieren: Wenn Sie lernen wollen, wie Sie andere motivieren können, besuchen Sie unsere Global Marshall Plan Academy.
  • Eine direkte Mitgestaltungsmöglichkeit bietet auch die „My World Survey“, eine Onlineinitiative der UN, die Teilnehmern ermöglicht sechs Ziele auszuwählen, die Ihnen am Wichtigsten erscheinen. Diese Daten sollen dann Grundlage und Assistenz bei wichtigen politischen Entscheidungen bieten.
  • Schreiben Sie Ihren Bundestagsabgeordneten, sprechen Sie ihre Lokalpolitiker oder Ihren Gemeinderat an.

Zusammenfassend lässt sich hier Imme Scholz, die stellvertretende Direktorin des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik und Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung, zitieren: „Die Umsetzung der Ziele hängt zwar von Nationalstaaten ab, aber vor allem davon, wie sehr die Gesellschaften eine nachhaltige Entwicklung einfordern“.  

Die Nachhaltigkeitsziele werden bis 2030 nur erreicht werden, wenn dies von Regierungen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft weltweit als gemeinsame Aufgabe verstanden wird. Werden Sie aktiv und helfen Sie dabei, die Ziele der Global Marshall Plan Initiative zu multiplizieren!

 

Zum Weiterlesen:

http://www.bmz.de/de/ministerium/ziele/ziele/2030_agenda/millenniumsziele/index.html

http://menschliche-entwicklung-staerken.dgvn.de/menschliche-entwicklung/ziele-fuer-nachhaltige-entwicklung-sdgs/

http://www.forumue.de/wp-content/uploads/2015/07/SDG-Factsheet_FUE.pdf

https://advocacy.thp.org/2014/08/08/mdgs-to-sdgs/

http://www.bmel.de/DE/Landwirtschaft/Agrarpolitik/_Texte/GAP-FAQs.html

http://www.bmel.de/DE/Landwirtschaft/Nachhaltige-Landnutzung/nachhaltige_landnutzung_node.html

Bildquelle: https://www.flickr.com/photos/anakbrunei/21507274839/