28.01.2013 - 10:45

„Commons“ - Für eine neue Kultur

Silke Helfrich, freie Publizistin und Mitbegründerin der Commons Strategies Group, lebt und arbeitet in Jena. Sie war langjährige Büroleiterin für Mittelamerika/Mexiko der Heinrich-Böll-Stiftung und hat bereits das Buch „Wem gehört die Welt?“ mit veröffentlicht. Sie ist Herausgeberin des neuen Buchs „’Commons - Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat” (transcript 2012) und bloggt auf www.commonsblog.de.

90 internationale Autorinnen und Autoren aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft stellen in diesem im Wortsinne schwergewichtigen Band ein modernes Konzept der Commons vor. Sie schreiben über Theorie und Praxis der gemeinschaftlichen Organisation und Nutzung von all dem, was niemandem allein gehört. Wasser und Wissen, Saatgut und Software, öffentliche Räume und die Atmosphäre. Es ist eine Idee, die das Denken in Entweder–Oder–Kategorien überwindet, etwa den Dualismus von Markt und Staat.

Heute stehen unzählige Aktivisten und Netzwerke hinter dem sogenannten „Commoning“., das in 73 Essays aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet wird. Die in dem Band vorgestellten Initiativen weisen zudem Wege und Strategien, um unsere Zukunft neu zu denken und selbstbestimmt zu gestalten. Diese Gestaltung betrifft soziale Praktiken und Produktionsprozesse genauso wie unsere Institutionen und den Rechtsrahmen.

Überall auf der Welt suchen Menschen nach Alternativen zu der überkommenen Ordnung von zentralisierten Hierarchien einerseits und einer marktfundamentalistischen Ökonomie andererseits. Bei aller Unterschiedlichkeit der Beiträge eint die Autorinnen und Autoren die Überzeugung, dass der Gedanke der Commons das Potential hat, die Kategorien der herrschenden politischen und wirtschaftlichen Ordnung zu überwinden.

Sie alle zeichnen das Bild eines Haushaltens, das auf den souveränen Rechten der Menschen auf ihre Gemeingüter beruht. Dass dafür neue Institutionen notwendig sind, ist offensichtlich. Über Commons-Basierte Peer-to-Peer Governance wird ebenso diskutiert wie über Trusts, also gemeinnützige selbstverwaltete Stiftungen in der Hand der Bürger. Im Mittelpunkt aber steht der Begriff des „Commoning“, denn es gibt keine Commons, keine Gemeingüter, ohne gemeinsames Tun.
„Commoning“ bezeichnet einen co-kreativen Individualismus, der die Menschen in die Lage versetzt, innerhalb selbstverantwortlicher Gruppen zu denken und zu handeln, ohne dabei die eigene Autonomie aufzugeben.

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Das Buch steht unter einer Creative Commons Lizenz (CC BY SA).
Hier bekommen Sie die knapp 550 Seiten für 24.80 Euro..
Und hier steht Ihnen das PDF als Download zur Verfügung.

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