14.06.2017 - 12:00

Auf dem Weg zu G20: Afrika-Gipfel in Berlin bildet Auftakt

Die Zusammenarbeit mit Afrika soll durch Investitionen zukunftsfähig werden, darüber ist man sich auf dem Gipfel einig. Doch wer profitiert am Ende davon?


Am 13. Juni ist in Berlin der Afrika-Gipfel zu Ende gegangen, den die deutsche Bundesregierung im Zuge ihrer G20-Präsidentschaft einberufen hatte. Staats- und Regierungschefs aus 20 Entwicklungs- und Schwellenländern sind dazu angereist. Erklärtes Ziel der Gastgebers ist es, eine zukunftsfähige und nachhaltige Partnerschaft zwischen Afrika und Europa aufzubauen - und die Fehler der Vergangenheit zu vermeiden.


Für die genaue Ausgestaltung dieses Vorhabens gibt es auf beiden Kontinenten ambitionierte Ansätze und Pläne, die es nun gilt, miteinander in Einklang zu bringen. Allein aus den deutschen Ministerien liegen drei Pläne vor: Den Marshall-Plan des Entwicklungsministeriums, den neuen „Compact with Africa“-Plan des Finanzministeriums und die Initiative „PRO! Afrika“ des Wirtschaftsministeriums. Diese Vielfalt erlaubt Rückschlüsse darüber, dass sich die Ressorts schon unmittelbar auf den Wahlkampf vorbereiten. Ein verbindendes Element weisen jedoch alle drei Pläne auf: Erhöhte Investitionsanstrengungen werden nötig sein. 


Und so standen beim Afrika-Gipfel die drei „Entwicklungschampions“ Ghana, Tunesien und Elfenbeinküste im Fokus, die auf Grund der positiven Entwicklungsleistungen der letzten Jahre nun ein jährliches Investitionsvolumen in Höhe von 300 Millionen Euro zugesagt bekamen. Auch zukünftig sollen weitere Staaten, die schnelle Entwicklungsschritte durchlaufen, mit finanziellen Anreizen in Form von Investitionen belohnt werden.

Doch können Investitionshilfen alleine ausreichen, um Afrika zukunftsfähig zu machen?

DIE ZEIT, vermutet, dass eine europäische Investitionspolitik Afrikas Bedürfnissen nicht gerecht werden kann, wenn sie sich nahezu hauptsächlich dem Aufbau einer funktionierenden Infrastruktur widmet.Im Artikel wird der nigerianischen Poetry-Slammer Dike Chukwumerije zitiert: "Zu einer wohlhabenden Nation gehört am Ende / viel mehr als ein Fundament aus reichlich Zement." Die wirklich wichtigen gesellschaftspolitischen Fragen könnten Regierungen, Unternehmen, Finanz- und Technologieexperten nicht alleine entscheiden. Denn das, an was es fehle, bei allen Plänen und Anstrengungen auf beiden Kontinenten, sei die Einbeziehung der afrikanischen Zivilgesellschaft und ihrer Erfahrungen.


Die Berliner Zeitung lässt in ihrem Artikel die anwesenden afrikanischen Präsidenten zu Wort kommen: Sie bekräftigten ihren Wunsch nach finanzieller Unterstützung, mit der Aussage, es müssten Perspektiven für die jüngeren Generationen geschaffen werden. "Der Präsident von Ruanda stimmte ein. ‚Die herkömmliche Entwicklungshilfe ist nützlich, wird aber niemals ausreichen für eine nachhaltige Entwicklung‘, sagte Paul Kagame. ‚Der Privatsektor ist ein Schlüssel für den Wohlstand.‘ Und zwar wo? ‚Afrika brauche Autobahnen, Straßen, Brücken‘, zählte der Präsident des Senegals, Macky Sall, auf und beglückwünschte Deutschland zu seinen Windrädern. Dies sei ein Vorbild für Afrika."

Bei tagesschau.de benennt man offen die deutsche  Motivation hinter den Plänen, "wenn sich das Investitionsklima in afrikanischen Staaten verbessert, wenn ausländische Firmen investieren und Jobs schaffen, dann kommen weniger Migranten über das Mittelmeer nach Europa."

Die Stuttgarter Zeitung befindet die Pläne zwar als "löbliche(s) Ansinnen, Afrika zum gleichberechtigten Akteur der wirtschaftlichen Globalisierung zu machen", aber am Ende mangele es an einer fairen Handelspolitik. "Offene Märkte sind zwischen entwickelten Volkswirtschaften von Vorteil – in vielen Ländern Afrikas dagegen hat die Liberalisierung manch zarten Anfang zerstört. Wirklich glaubhaft würde der neue Afrikaplan erst dann, wenn die Handelspolitik Teil desselben wäre. Sonst gesellen sich zu alten Fehlern lediglich neue."