17.12.2013 - 14:32

Moderne Sklaverei

Sklaverei assoziieren viele Menschen mit  der Antike und dem atlantischen Dreieckshandel. Doch noch nie waren so viele Menschen Opfer von Sklaverei wie heute. Glaubt man dem amerikanischen Außenministeriums sind es weltweit mehr als 27 Millionen!

Unter Sklaverei versteht man, dass ein Mensch als Eigentum anderer behandelt wird, diese Person der Zwangsarbeit unterliegt und sich der Situation nicht entziehen bzw. flüchten kann. Sklaverei findet man vielerlei Hinsicht vor; es reicht u.a. von sexueller Ausbeutung, über Hausarbeit sowie Landwirtschaft bis zum Bau- und Unterhaltungsgewerbe. Nach der Befreiung von drei Frauen in London im November  dieses Jahres, die gefangen gehalten wurden, waren viele Menschen überrascht, Sklaverei in der eigenen Umgebung wiederzufinden. Zwar ist der Fall von London im weltweiten Vergleich eher ein Einzelfall, jedoch beeinflussen wir durch unsere Lebensweise und Konsum indirekt die Lebensbedingungen von unzähligen Menschen.

Wie viele Menschen aber wirklich in Sklavenverhältnissen leben, kann nur grob geschätzt werden. Wahrscheinlich liegt die Dunkelziffer von 27 Millionen Sklaven noch um einiges höher. Zudem werden zu den 27 Millionen nur zu diejenigen gezählt, die keinen Lohn erhalten. Es gibt jedoch auch Menschen, die für 14 Cent pro Stunde auf einer indischen Teeplantage arbeiten. Zudem werden von der Organisation „Made in A Free World“ auch viele der 150 Millionen Binnenmigranten in China als Sklaven aufgeführt, die hauptsächlich in der Rohstoffgewinnung und -verarbeitung arbeiten. Auf http://madeinafreeworld.com/slavery/ kann man auf einer interaktiven Karte noch weitere Gebiete und deren „Schwerpunkte“ hinsichtlich der Sklaverei identifizieren.

Artikel 4 der Europäischen Menschenrechtskonvention verbietet Sklaverei und Zwangsarbeit. Seitens der Politik und Menschenrechtsorganisationen wird gegen die „moderne“ Unfreiheit angegangen. Ein erster Schritt wäre die Anerkennung dieser Zustände als Sklaverei. Doch nur die Benennung der Probleme allein reicht nicht aus, es fehlt an konkreten Maßnahmen und Ideen wie die komplexen Probleme zu lösen sind, die dazu führen dass Menschen ihre Freiheit verlieren.

Jeder beeinflusst mit seinem Lebensstil die Lebensbedingungen von Millionen von Menschen. Die Organisation „Made In A Free World“ bietet auf ihrer Webseite www.slaveryfootprint.org Informationen zum Thema, unter anderem auch ein Tool, mit dem jeder berechnen kann, wie viele Sklaven für einen arbeiten und wie groß der eigene „Slavery Footprint“ ist. Auf dieser Seite können Sie testen, wie viele Sklaven für Sie arbeiten, und viel mehr! Ziel von slaveryfootprint.de ist es, die Menschen zum Nachdenken anzuregen und sich über das persönliche Konsumverhalten mehr bewusst zu sein. Dabei wird deutlich, dass in jedem alltäglichen Bereich Sklaven eine Rolle spielen, wie bei Kleidung, Lebensmitteln, Einrichtungsgegenständen oder Elektronik.

Im Abschnitt „Methodology“ bzw. Methodik (http://slaveryfootprint.org/about/#methodology) werden bei der Eingabe der Daten die Produktionsketten gescannt, die hinter dem jeweiligen Konsum stehen. Die Informationen bezieht die NGO aus Berichten der US-Ministerien, der Internationalen Arbeitsorganisation ILO, dem Korruptionsindex von Transparency International und dem Freedom House Index.

Mehr zur modernen Sklaverei und Slavery Footprint:

http://slaveryfootprint.org/

http://www.taz.de/!117933/

http://www.tagesspiegel.de/meinung/sklaven-im-21-jahrhundert-moderne-sklaven-gibt-es-ueberall/9117272.html

http://www.freitag.de/autoren/the-guardian/14-cent-pro-stunde

Bilder:

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Children_on_Tanzanian_building_yard.jpg?uselang=de

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Child_labor_Bangladesh.jpg