06.01.2014 - 09:14

Mobilitätskonzepte 2.0

Immer weiter steigende Erdölpreise, die globale Klimabeeinflussung und nicht zuletzt die Verkehrs- und Verschmutzungsproblematik in Großstädten lassen Forderungen und Bestrebungen nach neuen & alternativen Mobilitätskonzepten immer vehementer werden. Doch werden Innovationen den Schlüssel für eine erstrebenswerte Zukunft nicht im Alleingang schmieden können, wenn sie sich lediglich auf den Bereich des Individualverkehrs und der Verbrennungsmotoren beschränken. Wahrscheinlich wären in einer idealen Zukunft Transportmittel nicht nur bequem und flexibel, sondern beanspruchten die Ressourcen Energie, Zeit und (Lebens-)Raum in verantwortbarem Maße. Für dieses Ziel ist es notwendig, Konzepte zu entwerfen, die an die Erfordernisse städtischer Mobilität angepasst sind - und zwar im Hinblick auf Schnelligkeit, Bequemlichkeit, Raumbedarf, Kosten, Sicherheit, Umwelt, Lärm, Verfügbarkeit u.v.m. www.zeit.de/mobilitaet-elektroauto
 

Wie im vorangegangenen Artikel bemerkt, wollen Individualverkehr (Autos, Fahrräder, Fußgänger) und Öffentlicher Nahverkehr so verknüpft und ergänzt werden, dass Kompromisse minimiert und die Akzeptanz erhöht werden kann. Zum Beispiel mit dem qualitativen und quantitativen Ausbau von öffentlichen Verkehrsmitteln, Fahrradwegen und Carsharing-Angeboten. Die größte Herausforderung liegt dabei in der Systemleistung, die eine Vielzahl angebotener Funktionen aufeinander abstimmen muss. Gerade im Bereich des Carsharing werden noch einige Lektionen zu lernen sein, damit es als die Alternative gesehen wird, die sie tatsächlich ist. Dazu muss aber zunächst eine großräumige Verfügbarkeit erreicht werden. Ist dies geschafft, stehen die Chancen gut, dass das Teilen von traditionell „intimen“ Räumen mit fremden Menschen zu einer Selbstverständlichkeit wird. In vielen Städten werden Carsharing Modelle immer besser angenommen und expandieren.

www.spiegel.de/alternative-mobilitaetskonzepte-ein-auto-nur-bei-bedarf
 

Es gibt jedoch auch direktere Wege, Akzeptanz von effizienteren Verkehrsmitteln zu erhöhen und Raum in der Stadt für das öffentliche städtische Leben zurückzugewinnen: Straßen verengen und selektiv sperren, Grünphasen verkürzen, Parkplätze reduzieren, Parkgebühren erhöhen, Straßenbahnen, Radfahrern und Fußgängern Vorfahrt geben. Kurzum: Autofahren unattraktiver und Platz für attraktive Alternativen zu machen und so für eine lebenswertere Stadt zu sorgen. In vielen Städten bewährt sich dieses Konzept bereits. Der Paradigmenwechsel findet statt, Radfahren wird immer populärer und Fahrräder zum Livestyleartikel auch für Wohlhabende, so dass Die New York Times schreibt, fahrradfahrende Führungskräfte seien keine Seltenheit im Straßenbild mehr: www.nytimes.com
 

In Kopenhagen fahren ca. 40 von 100 Pendlern mit dem Fahrrad (2009), eine Rate, die im globalen Vergleich überdurchschnittlich hoch ist und weiter steigen soll. Dies wird unter anderem auch durch den Ausbau von Infrastruktur, z.B. Fahrradautobahnen erreicht. Selbst im Winter bleibt der Anteil der Radfahrer vielerorts relativ hoch. Kein Wunder, ist doch das Fahrrad für die meisten städtischen Strecken das schnellste Verkehrsmittel. Überdies sind Menschen die regelmäßig radfahren fitter und werden seltener krank. Dass gewohnheitsmäßiges Radfahren also nicht nur Naturburschen vorenthalten sein muss, zeigt auch dieser Schlusslicht-Artikel:

green.wiwo.de/mobilitat-warum-radfahren-auch-im-winter-trend-ist

 

Malte Schweizerhof