13.01.2014 - 10:01

Kambodscha: Textilarbeiter kämpfen um ihr Existenzminimum

Tage nach der Eskalation der Proteste in Phnom Penh Anfang Januar kehrten die streikenden Textilarbeiter zurück zur Arbeit. Die Verdoppelung der Mindestlöhne bleibt ein Wunschgedanke, da die internationale Textilindustrie es bisher ablehnt, sich für eine menschenwürdige Entlohnung der Textilarbeiter einzusetzen.

Nach den gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei und fünf Toten am 03. Januar, kehrten die meisten Textilarbeiter in Kambodscha am 08. Januar zurück an ihren Arbeitsplatz. Seit dem 24. Dezember 2013, protestierten zehntausende Beschäftigte der kambodschanischen Textilindustrie für eine Verdoppelung ihres Mindestlohns von 60 auf 120 Euro. Über 80% der Kleiderproduktion lag in diesen Wochen still. Für die Arbeitgeber ein Umsatzverlust von ca. 150 Millionen Euro. Die Verhandlungen zwischen der Regierung und den Gewerkschaften und Textilproduzenten werden zwar weitergeführt, die Erfolgschancen sind jedoch minimal, wenn nicht aussichtlos. Wer trägt die Schuld? Zum größten Teil die Modeindustrie, die es vorzieht Produktionsorte in Ländern mit extremen Niedriglöhnen zu wählen, anstatt sich für menschenwürdige Arbeitslöhne einzusetzen.

Die schlechten Arbeitsbedingungen der Textilarbeiter in Kambodscha sind schon seit 2013 bekannt. Laut der FAZ, belegte eine Studie der Stanford University im Frühjahr letzten Jahres dass „die Löhne und Sicherheitsvorkehrungen am Arbeitsplatz in dem armen südostasiatischen Land sogar ab- statt zugenommen haben.“ Damit bewegt sich Kambodscha gegen den Trend: die Löhne in China, Vietnam und Indonesien steigen. Heutzutage entsprechen Chinas Löhne fast den westlichen Standards. Für diese Lohnerhöhungen musste China einen deutlichen Rückgang seiner Exporte nach Europa hinnehmen. Sogar chinesische Lieferanten lassen inzwischen ihre Produkte in anderen asiatischen Ländern produzieren, weil es dort billiger ist.

Solch einen wirtschaftlichen Schaden möchte die kambodschanische Regierung möglichst vermeiden, daher ist eine Verdoppelung der Mindestlöhne eher unwahrscheinlich. Laut der FAZ, liegt in Kambodscha der Exportanteil der Textilindustrie bei ca. 85 Prozent und bringt einen Jahresumsatz von über 5 Milliarden Dollar – ca. 13 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Die aktuellen Mindestlöhne der Textilarbeiter in Kambodscha reichen nicht aus für ein menschenwürdiges Leben. Im Interview mit Zeit Online, antwortete Sandra Dusch Silva, Expertin für Arbeitsrechte und Textilindustrie bei der Christlichen Initiative Romero (CIR) auf die Frage was man mit 60 Euro kaufen kann:

„Um sich ausreichend Essen zu kaufen, bräuchte eine Arbeiterin 55 Euro im Monat. Für Miete, Gesundheitsvorsorge, Kleidung bleiben dann noch fünf Euro – es ist völlig unmöglich, mit dem Lohn zu überleben. In Phnom Penh kostet eine Ein-Zimmer-Unterkunft monatlich 13 Euro. Mit Überstunden und Akkordarbeit kann eine Arbeiterin auch auf einen Monatsverdienst von 88 Euro kommen, aber selbst das reicht nicht aus.“  

Angesicht der enormen Gewinne, die Modeunternehmen wie Adidas und Inditex jährlich mit Ihren Kleidungsartikeln aus Asien erzielen, sollte es eigentlich selbstverständlich sein für solche Unternehmen sich für die gerechte Entlohnung der Textilarbeiter einzusetzen. Zum Beispiel erzielte Sportartikelhersteller Adidas in 2012 ein neues Rekordhoch von über 14,5 Milliarden Euro. Wie am Beispiel von China zu sehen ist, verlagern Modeketten lieber Ihre Produktionsorte in Nachbarländer mit noch niedrigeren Löhnen wie Bangladesch, Vietnam und Kambodscha, statt fairere Löhne zu zahlen. Eine Änderung dieser Praxis ist zurzeit leider nicht in Sicht.

Nach Tragödien wie dem Einsturz eines Fabrik-Hochhauses in Bangladesch mit 1.000 Toten im Frühjahr 2013, haben vielen Modeunternehmen aus Imagegründen zwar bessere Arbeitsbedingungen für Textilarbeiter angekündigt, in der Praxis ist dies jedoch kaum realisierbar, da „die Produktion über diverse Zwischenhändler und Auftragsfertiger abgewickelt wird, die schwer zu überwachen sind,“ laut FAZ.  

Was können wir als Kunden tun um die Arbeitsbedingungen der Textilarbeiter in Südostasien zu verbessern? Im Interview mit Zeit Online antwortete Dusch Silva auf diese Frage: 

„Wenn sie in den Läden fragen, wo das Kleidungsstück herkommt, das sie gerade kaufen, kann das viel bewegen. Wir haben erfahren, dass beispielsweise bei H&M viele Verkäuferinnen durch solche Nachfragen erstmals mit den ausbeuterischen Arbeitsbedingungen in Asien konfrontiert wurden. Dadurch entstand im Unternehmen eine Solidaritätsbewegung. Die Kunden können sich auch direkt an die Geschäftsleitung wenden und erklären, dass sie auf faire Arbeitsbedingungen Wert legen.“

Ende November 2013 gab der schwedische Modekonzern Hennes & Mauritz bekannt sich zukünftig für eine faire Entlohnung der Textilarbeiter in Ländern wie Bangladesch einzusetzen, laut Textilwirtschaft.

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Sarah Carroux

Bilderquelle: k-a-z.info

Quellen:

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/kambodscha-der-hohe-preis-der-billigen-kleidung-12736194.html

http://www.n-tv.de/wirtschaft/Adidas-bleibt-dynamisch-article9860061.html

http://www.zeit.de/wirtschaft/2014-01/kambodscha-textilarbeiter-streiks-interview

http://www.n-tv.de/wirtschaft/Adidas-bleibt-dynamisch-article9860061.html

http://www.textilwirtschaft.de/business/HM-prueft-Preiserhoehung_89540.html

Weitere Artikel zum Thema:

http://www.welt.de/wall-street-journal/article123494876/In-Kambodschas-Fabriken-arbeiten-Kinder-im-Akkord.html

http://www.rp-online.de/nrw/staedte/xanten/schattenseite-der-modeproduktion-aid-1.3922554

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/mode/indische-spinnereien-beuten-frauen-aus-knechtschaft-statt-reichtum/9280700.html

http://www.dw.de/fair-fashion-mode-als-protest/a-17361048


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