25.08.2014 - 16:08

Innsbrucker Hochschultage: „Facing the EcoSocial Challenge“

„Facing the EcoSocial Challenge: Brücken bauen für eine gemeinsame Zukunft“ hieß das Motto der ersten Innsbrucker Hochschultage Ökosoziale Marktwirtschaft & Nachhaltigkeit. Mit einem äußerst vielseitigen und abwechslungsreichen Programm wurden von 3.-5. Juli erstmals Studierende in Innsbruck im Rahmen der Hochschultage mit den Fragen konfrontiert, welchen Herausforderungen wir im 21. Jh. gegenüberstehen und wie wir unsere Gesellschaft nachhaltig gestalten können.


Antworten und Reflektionen rund um eine lebenswerte und gerechte Zukunft gaben interessante Persönlichkeiten, hochkarätige Referenten und Menschen, die sich in verschiedener Art und Weise für eine nachhaltige Entwicklung einsetzen:
 

Programmübersicht


Film-Session
Die gut besuchten Filmvorführungen von „It’s a girl“ und „Voices of Transition“ im Innsbrucker Leokino boten einen ersten inhaltlichen Einstieg in systemische Problemstellungen und mögliche Lösungswege. Der erste Film bildet hautnah am Leben der Menschen in Indien und China die erschreckende Wahrheit und die Hintergründe rund um das tödliche Schicksal von Mädchen in einigen Teilen der Welt ab. Die enthusiastische Dokumentation „Voices of Transition“  zeigt Lösungswege aus der aktuellen Ernährungskrise auf und macht Mut selbst anzupacken. In einem Szenario vom Klimawandel und Erdölfördermaximum zeigen Bauern und Gemeinschaften in teils herzergreifenden Szenen Antworten auf die Lebensmittelunsicherheit auf. Begleitet wurde der Abend von Vertretern des Friedensforum Innsbruck sowie der Initiative Transition Tirol – Innsbruck im Wandel, die angeregte Diskussionsrunden leiteten und weitere Einblicke in die Thematiken eröffneten.


Keynote Speech & Impulsvorträge
Am Folgetag fand nach der offiziellen Eröffnung und Begrüßung durch das Organisationsteam, einer Vertreterin des Landes Tirol und den Rektor des MCI der Eröffnungsvortrag statt. Gekonnt moderierte infolge Dr. Bernd Ebersberger das Programm. Prof. Heribert Schmitz referierte zum Thema "Globale ökosoziale und nachhaltige Marktwirtschaft – Utopie oder Notwendigkeit?“. Er ist Honorar- und Gastprofessor an zahlreichen internationalen Hochschulen und ehemaliger Vize-Präsident der Hewlett Packard Corporation. In einer Erfrischungspause mit hausgemachtem Kuchen und allerlei Leckereien aus fairem Handel lud der Markt der Möglichkeiten mit 12 Ständen verschiedener Organisationen die Hochschultagsgäste ein sich zu informieren und selbst aktiv zu werden.

Im ersten Impulsvortrag sprach der ehemalige Wissenschaftsminister und Rektor der Uni Innsbruck O. Univ.-Prof. Mag. Dr. Karlheinz Töchterle über nötige Strukturreformen und Entwicklungspfade unseres Bildungssystems. Johnny Nesslinger, Gründer von Ridehere-Ridenow, erläuterte im Anschluss das Potential des ökologischen Fußabdrucks als Strategie für Unternehmen und Politik sowie als Anhaltspunkt eines bewussten, nachhaltigen Lebensstils. Im letzten Beitrag vor der Mittagspause zeigte der Unternehmer und politische Aktivist Niko Alm auf, wie die Welt im Cyberspace zusammenrückt.


Markt der Möglichkeiten
Der Markt der Möglichkeiten war eine Messe bestehend aus 13 verschiedenen Ständen gemeinnütziger Organisationen aus Innsbruck und Umgebung. Er fand als Begleitprogramm der Hochschultage am Freitag 04. Juli 2014 statt und wurde insbesondere in der Vormittagspause von 11 bis 11.30 Uhr und in der Mittagspause von 12.30 bis 14 Uhr von den Teilnehmern der Hochschultage besucht. Die Vertreter der gemeinnützigen Organisationen waren mit ihren Ständen und den Hochschultagen insgesamt sehr zufrieden. Alle Besucher bekamen die Möglichkeit, sich über die Ziele der einzelnen Initiativen zu informieren und erhielten Tipps und Empfehlungen, wie sie sich selbst für eine gerechtere Zukunft engagieren können. Die folgenden Organisationen waren vertreten: Kindern eine Chance, SlowFood Tirol, Innsbrucker Nachhaltigkeitsstammtisch, AMSA, Johanniter-Unfall-Hilfe, Verein Multikulturell, EcoHimal, Young Caritas, Travel2Change, Welthaus, Attac Tirol, Junge Gemeinwohlökonomie und Generation Earth.
Für die nächsten Innsbrucker Hochschultage wünschen sich die Vertreter der einzelnen Aussteller eine längere Vormittagspause, da außerhalb der Pausen bzw. während des Programms nur sehr wenige Teilnehmer den Markt aufgesucht haben. Eventuell könnte der Markt der Möglichkeiten auch als eigenständiger Programmpunkt mit größeren zeitlichen Ressourcen durchgeführt werden.


Workshopsession
Neben den Vorträgen wurden auch vier Workshops angeboten. In dem Mini-Workshop Change Management wurde auf die Veränderungsnotwendigkeiten hin zu Nachhaltigkeit, aufgrund der globalen Ungerechtigkeit, eingegangen und mit welchen Veränderungsprozessen dies geschehen kann. Beim Workshop Disco Smoothie referierte Herr Peter Kojat erst über den nachhaltigen und regionalen Anbau von Gemüse und Obst. Im Anschluss konnten die Teilnehmer aus Obst und Gemüse die leckersten Smoothies mixen. Herr Warbanoff beschäftigte die Teilnehmer seines Workshops mit dem Thema, was der Einzelne im globalen Aspekt der Nachhaltigkeit regional erreichen und wie gegen globale Ungerechtigkeit vorgegangen werden kann. Um das Transatlantische Freihandelsabkommen ging es im letzten der vier angebotenen Workshops. Hier erklärte Herr Nesslinger was das Abkommen beinhaltet und welche Auswirkungen es auf die Europäische Union und andere Länder hat.


Podiumsdiskussion
Am Nachmittag des 04. Julis fand außerdem die Podiumsdiskussion in der Aula des Management Centers Innsbruck statt. Die Teilnehmenden auf dem Podium waren Landeshauptmann-Stellvertreterin Ingrid Felipe (Die Grünen Tirol), Hannes Offenbacher (CEO Mehrblick), Prof. Heribert Schmitz (ehem. Vize-Präsident Hewlett Packard), Manfred Blachfellner (Gemeinwohlökonomie Tirol) und Johannes Pfister (Unternehmensberater, Dozent und Vorstand der ThinkCamp eG). Moderiert wurde die Diskussion von Dr. Bernd Ebersberger. Es entwickelte sich eine spannende Diskussion über das Thema „Social Profit“, bei der die Aspekte des nachhaltigen Wirtschaftens und die verschiedenen Begriffsabgrenzung von Profit, Social Profit und Non-Profit intensiv diskutiert wurde. Das Publikum wurde aktiv eingebunden und stellte zahlreiche Fragen.


Global Dinner & Poetry Slam
Am Abend wurde in die Kulturbäckerei übersiedelt, wo zum „Global Dinner“ geladen wurde. Thematisch eingeführt und begleitet wurde diese kulinarische Überraschung von Josef Nussbaumer, Stefan Neuner und Andreas Exenberger, die sich unter anderem in ihrem Buch „Unser kleines Dorf“ mit weltweiten Ungerechtigkeiten auseinandersetzen. Dort lassen sie die Weltbevölkerung auf ein Dorf mit 100 Einwohnern schrumpfen und machen so die prekäre Lage in der Welt greifbar. Die Situation in diesem imaginären Weiler, wenngleich dieser die Lage auf der Erde realistisch abbildet, ist alles andere als tragbar. Am Phänomen Hunger machten die drei Autoren die globale Situation für alle Teilnehmer direkt spürbar.
 
Zum beschwingten Abschluss des Freitagprogramms rief der erste „Ecosocial Poetry Slam“ SlammerInner auf ihre Kreativität den Themen „sozialer Wandel/Zusammenhalt“, „internationale Gerechtigkeit“, „Nachhaltigkeit“ etc. zu widmen und bewegende/urkomische/tränenrührende/grenzgeniale und natürlich selbstverfasste Texte in max. 5 Minuten in alter Slam-Manier darzubieten. Slam-Meister Markus Koschuh moderierte das Fest der Worte.
Damit auch die „Armen“ des Global Dinner gesättigt und zufrieden nachhause gehen konnten, überraschte im Anschluss an den Slam ein Buffet mit „geretteten“ Lebensmitteln die Teilnehmer. Alle dort verwendeten Lebensmittel stammten aus Überproduktionen regionaler Anbieter oder waren aufgrund ihres Aussehens für den „normalen“ Verkauf nicht vorgesehen.
 

Biofaires Frühstück & Abschlussvortrag
Einen gemütlichen Start in den Samstag garantierte das Biofaire Früshtück, bei dem durch ein buntes Buffet und Live-Musik die Energiereserven der Teilnehmer wieder aufgetankt werden konnten. Den krönenden Abschluss des Events bildete der finale Vortrag von Prof. Dr. Dr. Franz-Josef Radermacher zum Thema „Ökosoziale Marktwirtschaft als Schlüssel für Nachhaltigkeit und mehr sozialen Ausgleich".


Initiatoren, Organisatoren und Unterstützer
Organisiert wurden die Innsbrucker Hochschultage von einer 4-köpfigen Gruppe von Studierenden des MCI-Studiengangs „Nonprofit-, Sozial- und Gesundheitsmanagement“, die für die Konzeption, Planung und Umsetzung des Events verantwortlich war. Essentiell für den Erfolg der Veranstaltung war die Zusammenarbeit mit dem MCI, dem Leokino, der Kulturbäckerei, Slow Food Tirol, dem Sixty Twenty und den vielen anderen Partnern, die ihre wertvolle Unterstützung anboten. Für die leibliche Verpflegung sind hier vor allem Fairtrade, die EZA und Bionade zu nennen. Für die finanzielle Ermöglichung des Events ist der Studierendenvertretung des MCI, der Österreichischen Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft sowie dem Land Tirol zu danken.
 
Fazit
Wenngleich die Organisation der Hochschultage einen großen Zeitaufwand neben dem Verfassen der Bachelorarbeiten und anderen Verpflichtungen darstellte, war spätestens mit der Umsetzung des Events klar, dass sich sämtliche Mühen voll auszahlten. Das Organisationsteam konnte nicht nur Erfahrungen im Eventmanagement gewinnen, sondern vor allem auch interessante Menschen kennenlernen und wertvolle Kontakte knüpfen. Der während der Hochschultage zentral platzierten „Feedbackwand“ konnte bei der anschließenden Begutachtung die klare Botschaft „Bitte nächstes Jahr wieder“ entnommen werden. Die Besucher lobten darauf die „super Vorträge und Workshops“, die angenehme Atmosphäre inkl. Essen, Kaffee und Leute, die „Gute Schoki“ sowie die Moderation. Verbesserungspotential wurde in einer noch intensiveren Bewerbung, mehr Interaktivität bei den Workshops und „mehr Öko-Denken“ erkannt. Jemand wünschte sich außerdem eine „stärkere Präsenz der Organisatoren“, welche durch die zentrale Rolle des Moderators während des Freitagprogramms etwas in den Hintergrund rückten. Alles in allem waren die ersten Innsbrucker Hochschultage ein voller Erfolg, der die Nachhaltigkeitsdebatte in Tirol anfeuerte und nach Wiederholung schreit. Interessierte Studierende werden gerne vom Organisationsteam 2014 mit Tipps und Informationen unterstützt!


Abonnieren Sie unseren Newsletter und verpassen Sie nichts!

Verfolgen Sie unsere Arbeit auf Facebook!

Vor Ort aktiv werden? Finden Sie eine Lokalgruppe in Ihrer Nähe!