Denkspiele unter Wasser
Eine Studie über die Klimaveränderungen sieht Holland in Gefahr
Von Siggi Weidemann
Den Haag - Stürme, die Deiche verwüsten und Schleusen zerstören, große Teile Hollands mitsamt Den Haag komplett unter Wasser setzen - dieses Szenario soll bereits in drei Jahren real werden. Jedenfalls wenn es nach einer Gruppe kalifornischer Experten geht, die im Auftrag des Pentagon in Washington die Folgen der Klimaveränderungen errechnet haben. Wenn es um Den Haag, Regierungssitz und Wohnort der königlichen Familie, geht, schrillen im Land normalerweise die Alarmglocken. Beim nationalen Wetterdienst KNMI legt man die Pentagon-Studie jedoch amüsiert zur Seite, da dieser Bericht nicht wissenschaftlich untermauert sei.
Auch Willard Edisson, Sprecher des Ministeriums für Verkehr und Wasserbewirtschaftung, relativiert die soeben veröffentlichte Studie auf Anfrage der SZ: ¸¸Diese Denkspiele werden für Strategen entwickelt, um sie scharf zu halten. Ein stark dramatisiertes Planspiel für Katastrophenfilme. Dabei geht es um die plausible Entwicklung der globalen Klimaveränderung. Aber unser Land ist sicher."
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Quelle:
Süddeutsche Zeitung
Nr.57, Dienstag, den 09. März 2004 , Seite 12
PENTAGON-STUDIE
Yodas apokalyptische Visionen
Sie nennen ihn Yoda, sein Report bringt Präsident Bush zusehends in die Klemme: Einer der schärfsten Denker des Pentagons warnt in einer aufrüttelnden Studie, dass Klimaschwankungen die Sicherheit der USA mehr gefährden als Terroristen. Die Bush-Administration schweigt zu dem Dokument, weil sie Druck auf die US-Industrie fürchtet.
Das Szenario ist ebenso bedrohlich wie realistisch: Der Golfstrom, der wie eine riesige Warmwasserheizung Milliarden Liter von Tropen-Wasser in den Norden pumpt, verliert an Kraft, ändert seine Richtung und kollabiert plötzlich ganz. Eisige Winde brausen über Nordeuropa hinweg, verheerende Stürme und Fluten verwüsten die Küsten. Die Wälder sterben ab, die Ebenen an Nord- und Ostsee gefrieren zur Tundra.
Die dramatischen Klimaänderungen bringen Menschen und Regierungen in Not. Öl wird knapp, die friedenssichernden Bündnisse erodieren. Blutige Konflikte brechen aus, Kriege um Rohstoffe und Nahrung verwüsten die Kontinente. Innerhalb weniger Jahre gerät die Welt an den Rand der totalen Anarchie.
Quelle: 22.02.2004
Spiegel-Online