Mag. Hans Holzingers, Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen, Kommentar zum "Sound of Europe"-Gipfel in Salzburg

Mag. Hans Holzinger

„Sound of Europe“ oder Abkehr vom Steigerungsspiel

"Die Herzen der Menschen erreichen“ – so lautete der Tenor des „Sound of Europe“-Gipfels im Salzburger Kongresshaus. Der Abbau von Arbeitslosigkeit, die soziale Grundsicherung, das Bieten von Zukunftsperspektiven waren zu Recht zentrale Themen. Zu hinterfragen sind jedoch die vorgeschlagenen Rezepte: Noch mehr, noch größer, noch schneller. „Europa soll zum wettbewerbsfähigsten Wirtschaftsraum der Welt werden.“ Das klingt gut, übersieht aber, dass (West)Europa bereits heute zu den reichsten Regionen der Welt gehört und damit –nach den USA und Kanada – auch zu den am meisten Weltressourcen verschlingenden.
Soll Nachhaltigkeit nicht zu einer Allerweltsformel für Sonntagsreden verkommen, so sind Alternativen gefordert. Notwendig wird ein neuer Blick auf das, was wir unter Wohlstand verstehen. Nicht mehr die Anhäufung von noch mehr materiellen Gütern, sondern die Aufwertung immaterieller Güter wie menschliche Beziehungen, das Verfügen über nicht verplante Zeit, die Freude am Erleben der Natur oder an einer musischen Betätigung rückt dabei ins Zentrum.
Die Wirtschaftswissenschaften wie die Politik sind gefordert, Strategien der sozialen Sicherung jenseits des alten Wachstumsparadigmas und Vollbeschäftigungsideals zu finden. Stichworte wären etwa die Umverteilung von Produktivitätsgewinnen in Bereiche wie Bildung, Soziales und Kultur. Hier gibt es genug zu tun. Neue Finanzierungsquellen wie Steuern auf Finanzspekulationen, gemeinschaftsunverträgliche, überdimensionierte Vermögensakkumulationen oder – mit ökologischer Schlagseite – auf Flugbenzin werden ja bereits diskutiert. Der Ausbeutung von Menschen sowie der Plünderung des Planeten im gegenwärtigen Globalisierungsprozess wird schließlich nur entgegnet werden können durch verbindliche soziale und ökologische Standards für alle, also eine Globalisierung des Rechts, die der Globalisierung der Wirtschaftsbeziehungen folgen muss. Das wären Themen für einen neuen „Sound of Europe“.

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