Ein noch "harmloser" Reaktorunfall wie die Tschernobyl-Katastrophe könnte ein Gebiet von der Größe des Ruhrgebiets verseuchen. Möchten Sie die Verantwortung übernehmen, dass in den nächsten Jahrhunderten weder Krieg noch Terrorismus eine größere Reaktorkatastrophe verursachen ? Möchten Sie die Verantwortung übernehmen, dass die Atomwaffen sich auf Grund der Ambivalenz der Kernenergieanlagen noch weiter ausbreiten ?
Dazu:
Der Kernphysiker Carl Friedrich Weizsäcker war einer der ersten Kernenergiepioniere und blieb bis 1985 Kernenergiebefürworter, weil er wie die anderen Atomwissenschaftlern der Göttinger Erklärung glaubte, dass Otto Hahns Entdeckung auch zum Segen der Menschheit dienen könne, obwohl folgende Grundfragen offen blieben, wie er selbst zu bedenken gab:
1. Wie muß der Umgang mit Plutonium in einer Gesellschaft gesichert sein, in der es Terrorismus gibt ?
2. Hat man jemals ernstlich den Schutz der Kernenergieanlagen gegen Kriegseinwirkungen durchgedacht ?
3. Und wer ist leichtfertig genug zu glauben, dort, wo ein Reaktor, eine Wiederaufarbeitungsanlage oder eine Endlagerung steht, werde nie mehr ein Krieg stattfinden ? In seiner Einleitung vom 30.11.1985 zum Buch „Die Grenzen der Atomwirtschaft“ von Klaus Meyer-Abich und Bertram Schefold formuliert der 73-jährige von Weizsäcker, wenige Monate vor der Tschernobyl-Katastrophe vom April 1986 seine Abkehr vom Befürworter der Kernenergie und seine Hinwendung zur Sonnenenergie und zum Energiesparen:
„Unterdessen hat, wenn ich richtig sehe, die Technik der Solarenergie Fortschritte gemacht, die sie als hauptsächliche Energiequelle des kommenden Jahrhunderts möglich erscheinen lassen. Der Pfad S dieser Studie ist dann, technisch gesehen, keine Träumerei; und sozial ist er vorzuziehen. ..... Unter dieser Voraussetzung trete ich nunmehr entschieden für Sonnenenergie als hauptsächliche Energiequelle, unterstützt durch technisch ermöglichte Energieeinsparung, und gegen die Entscheidung für Kernenergie als Hauptenergiequelle ein;“
Der „Sonnenenergie- und Sparweg“ hätte der Menschheit die im Iran-Konflikt dramatisch offensichtliche Ambivalenz des Kernenergieweges ersparen können. Ob diese strukturell friedliche Energieversorgungs-Option für die Zukunft noch relevant sein wird, das hängt davon ab, ob in den nächsten 30 Jahren für den Sonnenenenergie-Spar-Weg und die Wasserstofftechnologien ebenso 1 000 Milliarden Dollar investiert werden wie in den letzten 30 Jahren für die Kernenergie.
Bleiben Sie bitte so "lernfähig" für einen Bewusstseinswandel wie der einstige 73-jährige Kernenergiebefürworter. Ansonsten kann man bei Ihnen die im Al Gore Film treffend charakterisierte Methode studieren:
Auch wenn die überwältigende Mehrheit der Klimaforscher einhelliger Meinung ist:
Immer noch ein Gegenbeispiel finden, Zweifel sähen, die verunsichern .... um die "Angst" zu dämpfen und den notwendigen Wandel zu verhindern. .....
(04.11.2006)