Leserbrief zum Publik-Forum 10/2006 Dossier „Einfach die Welt verändern“ von Werner Dierlamm

Leserbrief zum Publik-Forum 10/2006 Dossier „Einfach die Welt verändern“



Die Mächtigen in der Welt werden der Überwindung des krassen Elends nur dann Priorität in ihren Regierungs- und Wirtschaftsprogrammen geben, wenn sie nicht nur von 300 000 Nichtregierungsorganisationen (Jean Ziegler S. 5) dazu gedrängt werden, sondern auch von der christlichen Kirche auf Erden. Denn diese ist ihrem Wesen nach nicht nur eine Solidargemeinschaft zwischen den Reichen und den Armen, sondern zugleich eine Dienstgemeinschaft zum Wohl auch der nichtchristlichen Völker.

Das „Weltprogramm des Christentums“ müsste es eigentlich sein, der notleidenden Welt so beizuspringen, wie es der barmherzige Samariter im Gleichnis Jesu mit dem unter die Räuber Gefallenen getan hat (vgl. den vorangehenden Artikel von Johann Baptist Metz). Aber hat sie denn die Macht dazu? Sie kann diese „Compassion“ (Johann Baptist Metz) nur in Worten predigen und fordern und mit zeichenhaften Handlungen begleiten.

Darum freue ich mich, dass unter den „20 Schritten“ in Schritt 10 auch der Global Marshall Plan (GMP) vorgestellt wird, der am 18. Oktober 2003 von einer „Stuttgarter Erklärung “ ausgeht. Von Franz Josef Radermacher, einem Initiator dieser Initiative, stammt der Satz: „Kirche ist eine unendlich wichtige Kraft, aber was die Kirche sagt, wird nicht übersetzt in die Struktur, die verwirklicht, was die Kirche sagt“. Also müssen Christen und Humanisten das Richtige sagen, aber die Mächtigen müssen dazu gedrängt werden zu tun, was Christen und Humanisten sagen.



Werner Dierlamm evangelischer Pfarrer i.R.

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