Stuttgarter Erklärung für mehr globale Gerechtigkeit nimmt Europa in die Pflicht
VON BARBARA GÄRTNER
Stuttgart - Wenig hat das Stuttgarter Literaturhaus mit den efeuumrankten Universitätsgebäuden in Harvard gemein. Auch Surjo R. Soekadar erinnert in seinem jugendlich-dynamischen Unternehmensberaterlook kaum an George Catlett Marshall, jenem General und US-Außenminister, der vor knapp 57 Jahren in Harvard das nach ihm benannte Programm vorstellte, das den Wiederaufbau Westeuropas ermöglichte.
Und doch fühlt sich Soekadar intensiv an jenen Moment erinnert, als er am Samstagmittag ans Mikrofon tritt. "Der Marshallplan hat das Gesicht der Welt verändert", sagt der junge Mann von der Initiative Weltfrieden. Wie damals, soll auch an diesem Samstagmorgen mit einer Idee das "Gesicht der Welt verändert werden".
"Global Marshall Plan" steht auf einem bunt bedruckten Faltblatt, das eine winzige Weltkugel im hellblauen Wölkchenhimmel zeigt und die nach dem Wunsch von Soekadar als Stuttgarter Erklärung weltberühmt werden soll. Immerhin hat man zur öffentlichen Vorstellung mächtig Prominenz eingeladen. So sitzt die elegant ergraute Eislaufprinzessin Marika Kilius im babyrosa Kostüm neben der ernst blickenden Attac-Geschäftsführerin Sabine Leidig und dem Präsidenten des Club of Budapest, Ervin Laszlo, auf der Literaturhausbühne. Allein Sir Peter Ustinov, der die Erklärung medienwirksam für die Fotokameras unterschreiben sollte, musste aus gesundheitlichen Gründen absagen.
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Bei der glamourösen Verleihung der Club of Budapest Awards am Samstagabend im Neuen Schloss ist es aber der Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher, der daran erinnert, dass Stuttgart schon einmal geschichtsträchtig mit dem Marshallplan verbandelt war: "Im September 1946 blickte die Welt auf diese Stadt", erklärt er und rekapituliert, dass damals der US-Außenminister und Marshall-Vorgänger James F. Byrnes hier das Konzept vorstellte, das dann als Marshallplan Geschichte machte. "Es kommt ja öfter vor, dass die Nachfolger die Meriten einheimsen."
Stuttgarter Nachrichten 13.10.2003