10.06.2015 - 09:04

Französische Supermärkte müssen abgelaufene Lebensmittel spenden

Frankreich geht ab sofort gegen die Verschwendung von Lebensmitteln vor: Die Französische Nationalversammlung hat einstimmig einen Gesetzeszusatz verabschiedet, der es Supermärkten verbietet, Lebensmittel wegzuwerfen.

 

Außerdem müssen Lebensmittelläden mit einer Fläche von mehr als 400 qm spätestens bis zum 1. Juli 2016 ein Abkommen mit einer Hilfsorganisation treffen, die dann die abgelaufenen Lebensmittel verteilt. Alles, was nicht mehr essbar ist, wird zu Kompost oder Tiernahrung weiterverarbeitet. In den Schulen wird Unterricht gegen die Verschwendung von Lebensmitteln in den Lehrplan aufgenommen.

„Es ist ein Skandal, Lebensmittel wegzuwerfen, wenn andere Hunger leiden“, sagt der sozialistische Abgeordnete Guillaume Garot, der die Idee für das Gesetz hatte. Der Handel kritisiert das neue Gesetz, dann da die Supermärkte nur für fünf Prozent der weggeworfenen Lebensmittel verantwortlich seien, verfehlten die Maßnahmen ihr Ziel. Die meiste Nahrung wird in den Haushalten verschwendet: Jedes Jahr landen in Frankreich pro Person 20 bis 30 Kilogramm Lebensmittel im Abfall.

Die Banques alimentaires, vergleichbar mit den deutschen Tafeln, teilen mit, dass das neue Gesetz die Partnerschaft, die seit langem zwischen ihnen und den Supermärkten bestehe, stärke. 35 Prozent der Lebensmittel, die die Banques alimentaires verteilen, stammen bereits aus Supermärkten.

Die Nachfrage nach Lebensmittelspenden in Frankreich wächst: Da die Arbeitslosigkeit auf einem Rekordhoch ist, nimmt die Zahl der Bedürftigen zu. Ihnen soll das neue Gesetz zugutekommen.

Die französischen Supermärkte befürworten die Absicht der Gesetzesinitiative zwar, sind aber nicht begeistert vom Aufwand, der dadurch auf sie zukommt.

Benötigen wir dieses Gesetz auch in Deutschland?

In Deutschland spenden viele Supermärkte bereits seit Jahren freiwillig ihre abgelaufenen Lebensmittel an die Tafeln, und das ohne Gesetz. Es sei ein „gut funktionierendes, ausgeklügeltes und erprobtes System“, so Jochen Brühl, der Vorsitzende des Bundesverbands Deutsche Tafel e.V. Und auch die Bundesregierung setzt sich mit der Kampagne „Zu gut für die Tonne“ gegen ein Wegwerfen von Lebensmitteln ein. Dennoch werfen hierzulande Industrie, Handel, Großverbraucher und Privathaushalte jedes Jahr mehr als 11 Millionen Tonnen an Lebensmitteln weg. Change.org hat deshalb eine Petition gestartet, die eine gesetzliche Regelung auch in Deutschland ermöglichen soll. Hier können Sie unterschreiben: https://www.change.org/p/an-den-bundesminister-f%C3%BCr-ern%C3%A4hrung-und-landwirtschaft-gesetzliche-regelung-gegen-die-lebensmittelverschwendung

(Quellen: http://www.rp-online.de/leben/ratgeber/verbraucher/frankreich-supermaerkte-duerfen-lebensmittel-nicht-mehr-wegwerfen-aid-1.5118781; http://www.dw.de/superm%C3%A4rkte-in-frankreich-m%C3%BCssen-lebensmittelreste-spenden/a-18468298)