13.05.2014 - 10:50

Fracking – eine Gefahr für Umwelt und Menschheit

Hydraulisches Aufbrechen, auch bekannt als Fracking, ist eine höchst umstrittene Methode zur Förderung von Gas- und Ölvorkommen, welche weitreichende Folgen mit sich zieht. In den USA wird sie schon umfassend eingesetzt. Steht uns das bald auch in Deutschland bevor?


Um in Gesteinsschichten eingeschlossene Gas- und Ölvorkommen freizusetzen, werden große Mengen mit Chemikalien versetztes Wasser und Sand unter Druck in das Gestein gepresst. Neben den eingesetzten, meist giftigen Chemikalien, wird sie vor allem wegen ihres hohen Wasserverbrauches kritisiert. Außerdem befürchten Forscher sowohl Luft- und Grundwasserverschmutzungen als auch eine Verschlechterung der Lebensqualität für Anwohner, zum Beispiel aufgrund von Schäden durch Bohrerschütterungen.
 


Fracking in den USA

In den USA wird Fracking trotz aller Warnungen umfassend eingesetzt. Durch den Abbau der normalerweise schwer erreichbaren fossilen Energieträger möchte die US-Regierung die Abhängigkeit von ausländischem Öl und Gas reduzieren. Mithilfe von Fracking könnten die USA schon bald mehr Rohöl fördern als Saudi-Arabien. Sie haben sich zum Ziel gesetzt zum größten Energieproduzenten der Welt und bis 2018 zum Nettoexporteur von Gas aufzusteigen. Um diesem Ziel näher zu kommen und künftig Gas weltweit exportieren zu können, hat Obama milliardenschwere Infrastrukturprojekte genehmigt. Es ist jedoch umstritten, ob bzw. wie viel Gasexporte für die Vereinigten Staaten wirtschaftlich sinnvoll sind. Das hohe Preisniveau hatte im Jahr 2008 dazu geführt, dass die Anwendung der Fracking-Technologie zur Erdgasgewinnung in den USA ausgeweitet wurde. Derzeit befinden sich die Preise in den Vereinigten Staaten durch das Überangebot jedoch auf einem äußert niedrigen Niveau. Wirtschaftlich gesehen lohnt sich die Gasförderung aus diesem Grund zurzeit kaum. Da die Erdgaspreise auf dem europäischen Markt noch mehr als doppelt so hoch sind, stellt Europa einen attraktiven Absatzmarkt dar. Kritiker befürchten jedoch, dass der Export auch zu einem Anstieg der Energiepreise im eigenen Land führen könnte. Die Regierung versicherte, den weiteren Ausbau der Exportinfrastruktur von den Entwicklungen des Gasmarktes abhängig zu machen.

Angesichts der Krim-Krise forderte Obama Europa kürzlich dazu auf, ebenfalls von den umstrittenen Fracking-Fördermethoden gebraucht zu machen und dadurch unabhängiger von Russland zu werden.
 


Fracking bald auch bei uns?

Auch in Europa wurden schon Probebohrungen durchgeführt. So bohrte der US-amerikanische Mineralölkonzern Exxon in Niedersachsen, Deutschland bereits 2008 und presste dabei rund zwölf Millionen Liter Flüssigkeit in den Untergrund, davon ca. 24.000 Liter Chemikalien. Exxon selbst hält – wie andere Energiefirmen die mit Fracking Geld verdienen auch - die Methode für ungefährlich. Eine Studie aus den USA bestätigt jedoch die gesundheitsschädlichen Folgen der unkonventionellen Rohstoffförderung. Zum Beispiel greifen einige der eingesetzten Chemikalien beim Einatmen die Atemwege an, reizen bei Kontakt die Augen und sind sogar bei Verzehr ab einer bestimmten Dosis tödlich.

Im gesamten Gebiet Bodensee-Oberschwaben werden Fracking-Förderungsmethoden aus Schiefervorkommen geplant. In den Niederlanden hat die Regierung, nachdem bereits Bohrungen durchgeführt wurden, das Bohren nach Schiefergas während der Untersuchung der Umweltrisiken gestoppt. Fracking-Verbote gibt es derzeit in Bulgarien und Frankreich, regionale Moratorien unter anderem auch in Spanien und Rumänien. Im Sommer 2012 hatte Exxon-Mobil nach mehreren Fehlschlägen seine Schiefergas-Bohrungen in Polen gestoppt, Anfang diesen Jahres verkündete ein Unternehmen in Polen Verfahren zur Förderung von Schiefergas erfolgreich angewendet zu haben.

In England wurde ein zeitweiliges Verbot wieder aufgehoben, seit 2011 laufen nun Probebohrungen. Auch in Irland wurde einige Gebiete für die Exploration freigegeben.

In Deutschland ist die Rechtslage zu Fracking noch nicht endgültig geklärt. Schon seit einiger Zeit wird die Neufassung eines Gesetzes diskutiert. Im November 2013 beschlossen Union und SPD ein Fracking-Moratorium. Demnach dürften in Deutschland vorerst keine unkonventionellen Fördertechnologien von Schiefergas nach den Fracking Methoden betrieben werden. Dieses Moratorium solle so lange bestehen bleiben, bis die Folgen der umstrittenen Methode für die Gesundheit und die Umwelt geklärt seien.

Im Mai 2014 soll nun seit drei Jahren erstmals wieder das Fracking-Verfahren in Deutschland eingesetzt werden. So bereitet die rotgrüne Landesregierung Niedersachsen einen Erlass vor, in dem festgelegt werden soll unter welchen Bedingungen Fracking erlaubt ist. Dabei handelt es sich jedoch um Fracking in konventionellen Sandstein-Vorkommen, fernab vom Grundwasser, welches in Deutschland schon seit 50 Jahren betrieben wird. Das in den USA verbreitete Fracking unkonventioneller Vorkommen soll weiterhin verboten bleiben.
 


Was hat Fracking mit dem EU-USA Handelsabkommen TTIP zu tun?

Sollte TTIP in Kraft treten, dann würde sich sowohl der Einsatz als auch der Ausbau von Fracking voraussichtlich deutlich schwieriger regulieren lassen. Die in TTIP geplanten Investorenrechte würden den Öl- und Gaskonzernen die Möglichkeit geben, die Fracking-Fördertechnologien in Europa auf dem Gerichtsweg durchzusetzen, selbst wenn die national gültigen Gesetze diese Abbaumethoden eigentlich nicht erlauben oder einschränken. Vor privaten Schiedsgerichten könnten die Unternehmen die EU-Mitgliedsstaaten auf millionenschwere Entschädigungszahlungen verklagen, wenn die nationale Gesetzgebung, wie zum Beispiel Umweltschutzgesetze, Gewinneinbußen verursacht. Dies würde z.B. gelten wenn bereits in Probebohrungen investiert wurde, aber der Gesetzgeber den tatsächlichen Abbau der Vorkommen nicht genehmigt.
 


Wie man bereits in den USA sehen konnte zieht Fracking Konsequenzen mit sich, die nicht nur für die Bewohner, sondern auch für die Umwelt schädlich sind. Auch in Europa würden sich negativen Auswirkungen von Fracking schnell bemerkbar machen. Trotzdem werden gerade im Zuge der Ukraine Krise die Befürworter von Fracking laut. Sie fordern den Ausbau der umstrittenen Fördermethode, um die Abhängigkeit von Energie-Importen aus  Russland zu verringern. Aber würden wir dadurch nicht nur wieder unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen steigern?

Fracking stellt einen großen Rückschritt bei der Energiewende dar. Eine wirkliche Unabhängigkeit können wir nur durch die Förderung der erneuerbaren Energien und eine konsequente Fortentwicklung der Energiewende erreichen.
 

Autorin: Anna Miriam Leiberich


 

Quellen:

http://www.focus.de/finanzen/news/kurz-erklaert-was-ist-fracking_aid_914220.html

http://www.handelsblatt.com/politik/international/vorbild-fuer-europa-fracking-hilft-den-usa-aus-der-oel-falle/9718052.html

http://www.manager-magazin.de/unternehmen/energie/lng-terminal-wilhelmshaven-als-waffe-gegen-russland-und-putin-a-960658-3.html

http://www.zeit.de/wirtschaft/2014-03/ttip-fracking

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fracking-gesetzentwurf-der-regierung-gescheitert-a-903767.html

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/gasbohrung-us-konzern-presste-giftige-chemikalien-in-niedersachsens-boden-a-725697.html

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/fracking-testbohrung-in-mecklenburg-vorpommern-geplant-a-962818.html

http://power-shift.de/wordpress/wp-content/uploads/2014/03/Kurzstudie-Fracking-TTIP-CEO_PowerShift_FoE-Europe-et-al-3-2014.pdf

http://www.welt.de/wirtschaft/energie/article123219209/Fracking-als-Albtraum-fuer-Millionen-Hausbesitzer.html

http://www.faz.net/aktuell/finanzen/devisen-rohstoffe/schiefergas-in-amerika-das-fracking-wunder-bleibt-aus-12753461.html

http://www.geo.de/GEO/natur/oekologie/erdgasfoerderung-fracking-das-sollten-sie-wissen-74451.html
 

Bilder: 

wcn 24/7JustinWoolford & brims1285 auf Flickr

 


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