05.12.2014 - 16:34

Das Janusgesicht der neuen E.ON Konzernstrategie

Der größte Energiekonzern Deutschlands, E.ON spaltet sich in zwei  Gesellschaften auf. Experten befürchten eine Mogelpackung und hohe Belastungen für den Steuerzahler.

 

„Die drastischen Veränderungen der globalen Energiemärkte, technische Innovationen und wachsende, individuellere Kundenerwartungen erfordern einen mutigen Neuanfang“, so der Aufsichtsratsvorsitzende von E.ON, Werner Wenning. Der Aufsichtsrat beschloss daher im November 2014 ein neues Konzept. Zukünftig konzentriert sich die neue E.ON auf drei Geschäftsfelder: Erneuerbare Energien, Energienetze und Kundenlösungen. Der übrige Konzernteil dagegen wird abgespalten und fokussiert sich auf konventionelle Energien, globalen Energiehandel, Exploration und Produktion. Dieser Teil wird auch den alten atomaren- und fossilen Kraftwerkspark der E.ON übernehmen und soll ebenfalls an die Börse gehen.

Wie kam zu es zu diesem radikalen Schwenk in der Unternehmensstrategie von E.ON? Der Konzern reagiert als erster der vier großen deutschen Energieriesen radikal auf die Energiewende. Enn die bisherige ablehnende Haltung gegenüber grünem Strom erweist sich zunehmend als fatal für die mit drastischen finanziellen Schwierigkeiten kämpfenden Stromkonzerne. Erneuerbare Energie kommen in Deutschland bereits auf einen Marktanteil von 25 Prozent – davon halten E.ON, EnBW und Vattenfall jedoch zusammen gerade mal ein bis zwei Prozent. Hier will E.ON nun neue Einnahmen erzielen, denn neben den Kosten des Atomausstiegs belasten sinkende Gewinne aus den Kohle- und Gaskraftwerken die Bilanz. Der Kurswechsel von E.ON ist daher längst überfällig - und kann eine positive Ausstrahlung auf die gesamte deutsche Energiewende haben.

Das Umdenken der behäbigen Riesen kommt allerdings sehr spät. Ob sie sich in einer veränderten Energiewelt, die zunehmend auf dezentrale Energieversorgung umstellt weiter die gewohnten Gewinnmargen erwirtschaften kann, ist mehr als fragwürdig. Die Aufspaltung des Unternehmens soll laut Planungen aber trotzdem nicht auf Kosten der Arbeitsplätze gehen: Von den rund 60.000 MitarbeiterInnen von E.ON sollen 40.000 in die „grüne“ Firma überführt werden, 20.000 MitarbeiterInnen sollen bei der konventionellen Energieerzeugung bleiben.

Doch was passiert wirklich mit dem Teil des Unternehmens, der die alten Kraftwerke weiterbetreiben soll? Die nächste Stufe des Atomausstieg 2022 ist bereits beschlossene Sache, weitere Atomkraftwerke müssen dann abgeschaltet - und zurückgebaut werden.

E.ON spekuliert auf Einnahmen durch Klagen gegen die Bundesregierung: Eine erfolgreiche Klage gegen die Brennelementesteuer könnte zwei Milliarden Euro bringen, eine Entschädigung für den beschleunigten Atomausstieg sogar noch deutlich mehr. Doch selbst mit diesen – nicht sicheren – Einnahmen zulasten der Bürger ist das Konzept der neuen Gesellschaft nicht zukunftsfähig. Denn die alten Meiler werden immer weniger gebraucht und erwirtschaften kaum noch Gewinne. Das Unternehmen muss zudem in den nächsten Jahren die enormen Kosten für den Atomrückbau tragen. Die vier großen Energiekonzerne planen dafür insgesamt 36 Milliarden Euro ein, eine Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft weist jedoch darauf hin, dass 48 Milliarden Euro realistischer seien.

Und hier liegt das Problem: Sollte die zweite, "fossile" E.ON Gesellschaft Pleite gehen, müsste - ähnlich wie bei der europäischen Bankenkrise – der Staat einspringen. Denn die Atomkraftwerke und alle mit ihnen verbundenen Folgeprobleme werden womöglich als letztes übrigbleiben, wenn es die atomare E.ON schon lange nicht mehr gibt. Am Schluss würden die Steuerzahler also eine hohe Rechnung dafür zahlen, dass E.ON jahrelang gigantische Gewinne gemacht und an seine Shareholder ausgeschüttet hat. Das Manöver mit der Aufspaltung in zwei unterschiedliche Gesellschaften kann daher als Versuch betrachtet werden, sich zu einem Zeitpunkt aus der Verantwortung zu stehlen, wo dies gerade noch möglich ist. Der Konzern umgeht bisher die Frage, wie zukunftsfähig ein Konzern sein soll, dessen Geschäftsfeld mit zunehmendem Tempo erodiert, dessen milliardenschwere Verpflichtungen aber bis in alle Ewigkeiten erhalten bleiben. Auch das Versprechen, dass die 20.000 Arbeitsplätze gesichert seien, wird sich höchstwahrscheinlich schon sehr bald als Zweckoptimismus erweisen.

Die deutsche Politik muss jetzt eingreifen und dafür sorgen, dass die Kosten der Atomrückstellung von den Stromkonzernen selbst getragen werden und nicht von der Allgemeinheit. Diese Möglichkeit hat sie, beweist allerdings bislang keinen entschiedenen Willen sie auch zu nutzen. Damit schadet sie den Bürgerinnen und Bürgern die sie gewählt haben.

Die großen Energiekonzerne haben jahrelang die Energiewende verschlafen und sogar aktiv bekämpft. Nun haben sie diesen Kampf offenkundig verloren. Dieser Fehler darf aber nicht zu Lasten der Verbraucherinnen und Verbraucher gehen, die selbst schon lange mehrheitlich eine andere Energiepolitik wollten.

 


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