In Frankfurt wurde eine Initiative fĂĽr Nachhaltigkeit verabredet
Nachhaltigkeit ist für viele ein Fremdwort, für andere die Grundlage einer neuen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, eine Chance für die Wissenschaft und für neue Berufe. Damit die „anderen“ die „vielen“ auf ihre Seite bringen, trafen sich kürzlich in Frankfurt Wissenschaftler wie Ernst Ulrich von Weizsäcker und Franz Josef Radermacher vom Forschungsinstitut für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung in Ulm, Mitglieder von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) wie Sabine Leidig, Geschäftsführerin von Attac und Angelika Zahrnt vom Bund für Umwelt und Naturschutz oder Josef Riegler vom Ökosozialen Forum, ehemals Vizekanzler Österreichs. Auch Unternehmer und Journalisten waren dabei.
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Erstmals beim UN-Erdgipfel in Rio de Janeiro in der „Agenda 21“ als Ziel jeder wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung gefordert, [...] sei es, so von Weizsäcker, „Sache der Zivilgesellschaft“ sich dieses Themas anzunehmen. Riegler meinte, der Begriff der ökosozialen Marktwirtschaft könne als „Trägerrakete“ dienen, um eine Wirtschaftsordnung auf den Weg zu bringen, die Nachhaltigkeit anstelle von Plünderung und Verschmutzung, einen balancierten Markt anstelle eines freien Marktes, den Konsens an die Stelle einseitiger Interessendurchsetzung und Frieden an die Stelle von Konflikt setzt.
[...] Radermacher [...] wies darauf hin, dass jeder Kampf immer auch ein Kampf des Wortes sei, etwa wenn man Globalisierungsgestalter als Globalisierungsgegner bezeichne [...].
Verabredet wurde eine „Initiative für Weltfrieden, Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit“, deren Stärke, so von Weizsäcker, in der Vielfalt liege und den einzelnen NGOs nicht ihr Profil nehme. Angestrebt werden eine Konferenz zur Schärfung der Begriffe, ein globaler Marshallplan (www.globalmarshallplan.org) und die Einrichtung eines Beratergremiums bei der EU zu Fragen der ökosozialen Marktwirtschaft. Zum Koordinator der Initiative wurde Professor Radermacher bestimmt.
Hans-Herbert Holzamer
SĂĽddeutsche Zeitung 28./29.Juni 2003