16.01.2014 - 13:53

China: Metropolen im Nebel

Es ist der am stärksten smogbelastete Winter für die bewohner Pekings. Noch nie zuvor wurden derartige Rekordmengen der gesundheitsschädlichen 2,5 Mikrometer großen Staubpartikel in de Luft gemessen.

Zwischen Peking und Shanghai erstreckt sich seit zwei Jahren ein 1318km langer Smoggürtel. Es sind immer größere Teile des Landes, die unter der Dunstglocke verschwinden. Die gemessenen Smog-Werte befinden sich fernab vom Toleranz-Bereich. Im vergangenen Jahr maß die WHO 602,5 Mikrogramm  Feinstaubpartikel pro Kubikmeter Luft, das ist das 25-fache des Normalwerts. Der rasante Wirtschaftsboom, die Zuwanderung der chinesischen Landbevölkerung in die Städte ebenso wie das rasante Bevölkerungswachstum haben einen kaum deckbaren Energiebedarf zur Folge.  

Derzeit deckt die Volksrepublik diesen zu 70% mit Kohlenergie und ist somit der weltweit größte Kohlekonsument. Im Jahr 2012 hatte China die gleiche Kohleemission wie der Rest der Welt. Aufgrund der ungeheuren Menge an freigesetztem Kohlenstoffdioxid stellt diese Art der Energiegewinnung ein starkes Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung dar. Im Norden Chinas senkt sich die Lebenserwartung der Bevölkerung damit um 5,5 Jahre. Nichtsdestotrotz ist Kohle nicht nur in der Industrie, sondern auch in den meisten privaten Haushalten die am weitesten verbreitete Energiequelle. 
 
Die ungünstigen geografischen Verhältnisse in den Metropolgegenden sind für die Anstauung dieser toxischen Smog-Gase verantwortlich. Die Gebirgsketten im Landesinneren führen dazu, dass sich die Abgase aus der Süd- und Küstenregion des Landes nicht verlagern können und sich über den Städten sammeln. Hinzu kommen eine hohe Luftfeuchtigkeit und wenig Wind. 
 
Massive Personenschäden, die durch die Luftverschmutzung herbeigeführt werden sorgen für wirtschaftliche Einbußen von jährlich knapp 73 Billionen Euro, etwa 3% des Bruttoinlandsproduktes. Knapp 17 000 Einwohner der Stadt Peking sterben jährlich an der Luftverschmutzung, etwa 750 000 Chinesen vor Erreichen des Erwachsenenalters aufgrund von Herz-Kreislauf- und Atemerkrankungen. Immer mehr entschließen sich in andere Länder zu emigrieren, um dem Smog zu entfliehen, für viele potenzielle Arbeitskräfte aus dem Ausland stellt er einen guten Grund dar, ein Jobangebot in der Volksrepublik abzuschlagen. Auf der Skala des Air Quality Index weist Peking Werte von etwa 600 auf während andere Anziehungspunkte chinesischer Auswanderer wie etwa Sydney oder Toronto über eine Luftqualität unter 30 verfügen. 
 
Flüge fallen aus, Autos fahren tagsüber mit Licht, die Sichtweite ist oft verschwindend gering. Auf den Straßen der Großstädte sind kaum Kinder zu sehen, diese spielen abgeschirmt vom Smog in ventilierten Hallen und auch die meisten älteren Leute meiden die Straßen voller Rauchschwaden, zu groß ist das Gesundheitsrisiko. Man versucht sich mit Atemmasken vor den Staubpartikeln zu schützen, doch es gibt kein Material, das die Atemwege vollkommen vor den winzigen Teilchen schützt.  
 
Die Regierung setzt sich bereits für die Verwendung von Wind- und Wasserkraft- sowie Solarenergieanlagen ein, investiert massiv in den Ausbau der Photovoltaikanlagen und will zukünftig auch auf Biomasse als Energiequelle setzen, außerdem sollen mehr öffentliche Verkehrsmittel her, Fabriken strenger überwacht,  Hybridautos subventioniert, weniger alte Fahrzeuge in den Verkehr gelassen und weniger Fahrerlaubnisse erteilt werden. Ziel ist eine 15 prozentige Reduktion der CO₂-Emissionen bis zum nächsten Jahr, insgesamt sollen hierfür 210 Milliarden Euro investiert werden. Bis 2020 soll die Nutzung alternativer Energieträger mehr als vervierfacht werden.
Währenddessen finden ausländische Investoren Möglichkeiten aus dem Kampf mit dem Smog zu profitieren und damit eine Marktlücke zu füllen.
 
Die Produktpalette reicht von Sauerstofffiltern- und Zelten über Luftreiniger bis hin zu frischer Luft in Dosen. Der Markt boomt förmlich. Der Online-Händler Taotao.com verdiente allein im Jahr 2012 an die 142 Mio US-Dollar mit Antismogprodukten. Der chinesische Generalsekretär Xin Jinping spricht sich trotz dieses wirtschaftlichen Aufschwungs auf dem Antismogproduktmarkt und dem rasanten wirtschaftlichen Aufstieg des Landes für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum aus und wäre sogar bereit, sich von Unternehmen, die ohne Rücksicht auf die Umwelt produzieren, abzuwenden. Wirtschaftswachstum ja, aber nicht zulasten der Umwelt.  Wie sich der aktuelle Trend der Urbanisierung allerdings konkret mit mehr Nachhaltigkeit im Land vereinbaren lässt, bleibt offen und ob die Bevölkerung bis zur tatsächlichen Umsetzung der Reform der Partei Rückhalt bietet, ist fragwürdig. Die Protestaktionen von Seiten der Bevölkerung häufen sich, die Regierung steht unter Druck.
 
Bildquelle: http://static.tumblr.com/eeeqnus/bgZm4cemv/shanghai_smog.jpg
 
Quellen:
(http://english.mep.gov.cn/News_service/infocus/201309/t20130924_260707.htm
http://www.welt.de/wissenschaft/article113245616/Smogdecke-fast-viermal-so-gross-wie-Deutschland.html
http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2013-01/china-peking-smog
http://www.sueddeutsche.de/news/wissen/umweltverschmutzung-shanghai-registriert-gefaehrliche-smogwerte-1572754
http://www.bpb.de/politik/wirtschaft/energiepolitik/152664/china
http://www.taz.de/!128786/
http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2013-07/china-umweltverschmutzung-kohle
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/kohle-energie-der-zukunft-gefahr-fuer-die-menschheit-a-471930.html
http://www.thefinancialist.com/chinese-smog-at-what-cost/
http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-03/china-volkskongress-atomkraft
http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2013-11/china-smog-umweltministerium
http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2014-01/smog-china-peking-shanghai
http://www.pwc.de/de/internationalisierung/der-markt-fuer-erneuerbare-energien-in-china.jhtml
http://www.zeit.de/wirtschaft/2014-01/china-smog-luftreiniger-gesundheit
http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/luftverschmutzung-smog-koennte-china-210-milliarden-euro-kosten-a-940245.html
http://www.spiegel.de/politik/ausland/fuenfjahresplan-chinas-volkskongress-billigt-wirtschaftliche-umstrukturierung-a-750727.html)