10.04.2013 - 10:15

Burnout, Gerechtigkeit und Mobilfunk im Lichte der Globalisierung


Im Rahmen der Vortragsreihe 2012/13 der Global Marshall Plan Regionalgruppe Bodensee wurde im vergangenen Jahr regelmäßig Raum für Diskussion und ein Umdenken geboten.

Regionalgruppenmitglied Dr. Roland Heinzel (Psychotherapeut) hielt beispielsweise zwei Vorträge darüber, wie Menschen in Europa durch unfaire Arbeitsbedingungen unnötig krank werden („Burnout in Zeiten der Globalisierung“, „Die Schere zwischen Arm und Reich“). Im Podium wurde diskutiert, wie betriebliche Prävention zu verbessern wäre, was in ärmeren Ländern mit höheren Arbeitslosenquoten ohne die Unterstützung von Krankenkassen und Gewerkschaften noch viel schwieriger ist.

Gemeinsam mit dem Evangelischen Kirchenbezirk Konstanz lud die Regionalgruppe den Theologieprofessor Werner Thiede zu einer Lesung ein aus seinem Buch „Mythos Mobilfunk“ (2012). Es wurde ein kurzer Text vorgelesen („Wenn`s vom Kirchturm funkt“, PUBLIK Forum 23/2011), worin Thiede die Kirchen dazu aufruft, die Bewahrung der Schöpfung ernst zu nehmen, indem sie der laut unabhängiger Forscher nachweislich schädlichen Bestrahlung von Mensch, Tier und Pflanzen in ihrem Einflussbereich deutliche Grenzen setzen.

Die Moderation des Abends unter dem Titel „Mobilfunk als globale ethische Herausforderung“ übernahm Regionalgruppen-Mitglied Dipl.-Psych. Hanna Tlach. Global Marshall Plan Academy Absolvent Dietmar Kohler zeigte mit eindrücklichen Statistiken, wie in ärmeren Ländern weltweit die Existenz noch mehr von mobiler Kommunikation abhängt, da z.B. Onlinebanking oder lebenswichtige Informationen oft nur über Handys effektiv verbreitet werden können bei mangelnder Kabelversorgung.

Dipl.-Ing. Jörn Gutbier (www.diagnose-funk.org) erläuterte danach, wie die Forderungen aus Prof. Thiedes Kapitel VII, „Die industrielle Revolution frisst ihre Kinder – gefragt sind Alternativen“, praktisch umsetzbar und nachhaltig lohnend wären. Im Vordergrund stand die Trennung von outdoor- und indoor- Versorgung, also mobile Kommunikation im Freien, ohne dass alle Menschen jede Tiefgarage durch dicke Wände Tag und Nacht ungefragt bestrahlt werden. Stattdessen könnten Menschen oder Firmen, die es brauchen, die Strahlung gezielt mit Außenantennen (sog. „repeatern“) in ihre Innenräume holen.

Dipl.-Ing. Peter Schlegel (www.buergerwelle-schweiz.org) räumte mit dem immer noch zirkulierenden Irrtum auf, dass die Schweizer Bevölkerung dank ihres 100-mal tieferen Grenzwertes für Mobilfunksender gemäß NISV besser geschützt sei. Er zeigte, dass in Deutschland in bebauten Gebieten installierte Sender kaum stärker strahlen als entsprechende Sender in der Schweiz. Der Unterschied liege nur darin, dass die Schweizer Sender ihren Grenzwert ausschöpfen, die deutschen den ihren aber bei weitem nicht.

Der gemeinsame Tenor dieser Vorträge war die Forderung nach ökologischen und sozialen Korrekturen in westlichen Marktwirtschaften, so dass im Sinne der Global Marshall Plan Initiative andere wirtschaftlich weniger privilegierte Nationen in ihrem Aufbau ihrer Infrastruktur und von uns ebenbürtigen Märkten mit besserem Vorbild unterstützen könnten.

Ein weiterer Vortrag ist demnächst geplant zum Thema der Welternährung auf ökologischer Basis.

(Quelle: Regionalgruppe Bodensee; Foto: Südkurier)

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