13.10.2015 - 09:36

Das Handy der Zukunft - fair produziert?

Mit der Verwendung von Konfliktmaterialien unterstützen Handyproduzenten wie -konsumenten Kriegsparteien – und damit indirekt Sklaverei, Kinderarbeit und Gewaltverbrechen. Zwei Firmen aus Deutschland und den Niederlanden wollen das jetzt ändern. Sie möchten ihre Smartphones sozialverträglich herstellen. Doch: Ist das überhaupt möglich?

Nahezu zeitgleich zur Auslieferung des Fairphone 2 tritt ein Anbieter aus Deutschland in die Nische der sozial- und umweltverträglichen Handys ein. Die hessische Firma Shift wirft mit ihrem Shift5 ein Modell auf den Markt, das den Handys des niederländischen Start-Ups in nichts nachstehen möchte.


Smartphones sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Wenigen ist allerdings bewusst, unter welchen Bedingungen sie produziert werden und wer davon profitiert. Um gegen Ausbeutung, Kinderarbeit und Sklaverei vorzugehen, wollen zwei Anbieter jetzt nachhaltige und sozialverträgliche Handys produzieren.

Shift orientiert sich dabei an den Pionieren aus den Niederlanden. Der Online-Auftritt ist sachlich und übersichtlich gehalten, vermittelt aber innerhalb kürzester Zeit die Zielsetzung für das Shift5: Schön soll es sein, fair, und nachhaltig. Transparenz ist dabei – ähnlich wie bei Fairphone –  ein Kernelement der Strategie. So ist bereits auf der Startseite aufgelistet, wohin die
Einnahmen fließen – und wie groß der jeweilige Anteil ist.

Shift geht damit aber nicht so weit wie die Produzenten des Fairphones, die eine vollständige Kostenrechnung zur Verfügung stellen. Hier kann der kritische Konsument die Preisentstehung bis ins kleinste Detail nachverfolgen. Vom durchschnittlichen Preis (stattliche 525 €) sind 340 € auf die Produktentwicklung zurückzuführen, 230 € davon allein auf das Material. Der Anteil des „Worker Welfare Fund“, der zum Aufbau sozialer Strukturen vor Ort gedacht ist, beträgt genau 2,31 €.

Transparenz ist der Pluspunkt beider Anbieter. Schwieriger wird es schon bei der Sicherstellung tatsächlich nachhaltiger und sozialverträglicher Standards. Obwohl beide Unternehmen in leichten Abweichungen mit fairen Löhnen, Weiterbildung der Arbeiter vor Ort und dem Verzicht auf Konfliktmaterialien wie Coltan argumentieren, ist es auf Grund von langen und unübersichtlichen Produktions- und Lieferketten nur sehr schwer nachvollziehbar, ob alles vollkommen "fair" abläuft.

Eines der drängendsten Probleme ist die Gewinnung von Rohstoffen wie Zinn und Gold, die oftmals aus instabilen und umkämpften Gegenden stammen, beispielsweise dem Kongo. Durch den Verkauf der Materialien können sich lokale Kriegsparteien finanzieren. So werden bewaffnete Konflikte und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen gestützt. Das erklärte Ziel beider Handyanbieter ist es daher, Nachhaltigkeit und Sozialverträglichkeit Stück für Stück zu erhöhen.

Ein zentraler Punkt ist die Lebensdauer der Handys. Einfache Reparatur und Langlebigkeit sollen als Zeichen gegen konsumorientierte Wegwerfmentalität verstanden werden. Die riesigen Müllberge in den südlichen Ländern machen das nachvollziehbar. Denn beim Verbrennen der Unmengen an Elektroschrott entstehen giftige Gase, die von Menschen eingeatmet werden. Gleichzeitig werden Luft und Boden verseucht.

Gerade weil in Sachen sozialer Standards und eingesetzter Materialien noch deutlich Luft nach oben ist, kann man weder das Fairphone 2, noch das Shift5 als durchgehend „fair“ bezeichnen. Beide Unternehmen versuchen aber, die allgemein missachteten Probleme der Handyproduktion ins Bewusstsein zu bringen und hierfür Lösungen zu finden.

Wer sich für dieses Thema aktiv einsetzen will, kann eine Petition von Germanwatch unterschreiben. Diese fordert strenge Regeln zur Überwachung und Kontrolle des Handels mit den Konfliktmaterialien Zinn, Wolfram, Tantal und Gold.
 

Ein Artikel von Christoph Wenzl


Abonnieren Sie unseren Newsletter und verpassen Sie nichts!

Verfolgen Sie unsere Arbeit auf Facebook!

Vor Ort aktiv werden? Finden Sie eine Lokalgruppe in Ihrer Nähe!