22.10.2013 - 15:23

Alarmierender Zustand der Ozeane

Experten des Internationalen Programms zum Zustand der Ozeane IPSO und der Weltnaturschutzunion IUCN, warnen in ihrem neuesten Bericht eindringlich: Der Zustand der Ozeane ist schlimmer als von vielen erwartet. Von "massivsten Veränderungen der Lebensbedingungen in den Meeren seit über 300 Millionen Jahren" ist die Rede.

Folgende drei Faktoren verstärken sich zunehmend:

Sinkender Sauerstoffgehalt des Meerwassers: Bis 2100 könnte der Sauerstoffgehalt der Ozeane um 1 bis 7 Prozent abnehmen. Bereits jetzt verbreiten sich zunehmend faktisch leblose Meeresgebiete; das größte liegt in der Ostsee. Als Hauptursachen werden die Erwärmung der Ozeane (warmes Wasser bindet weniger Sauerstoff) und die Einleitung von Nährstoffen und Phosphaten aus Abwässern und der Landwirtschaft genannt.

Versäuerung des Meerwassers: Die zunehmende Menge an CO2, das im Meerwasser als Kohlensäure gebunden wird, führt zur deutlichen Senkung der PH-Werte des Wassers. Korallen, Muscheln und andere Lebewesen können zunehmend weniger ihre Kalkschalen ausbilden. Ihr Rückgang bedroht die Biodiversität, Nahrungsketten sowie die Sicherheit der Küsten.

Erwärmung: Der größte Teil der auch im Weltklimabericht der IPCC dokumentierten Erwärmung betrifft die Weltmeere. Ein IPSO/IUCN-Bericht warnt vor sich gegenseitig verstärkenden Faktoren, die im IPCC-Bericht teilweise nicht erfasst werden. Dazu zählen IPSO/IUCN die wachsende Verbreitung sauerstoffarmer oder -freier Meeresschichten und -gebiete und die zunehmende Freisetzung von Methan vom Meeresboden sowie aus dem schmelzenden Permafrostboden. Durch die Erwärmung nimmt die Korallenbleiche zu und Fischbestände wandern polwärts in kältere Zonen ab. Die Makrele im Nordostatlantik z.B. ist in die Fanggebiete von Island und den Faröer Inseln gewandert und hat damit einen Konflikt mit der EU-Fischerei, den sogenannten „Makrelenkrieg“, ausgelöst.

Um weiter von den Meeren profitieren zu können, müssten die Staaten der Welt daher dringend die Emissionen von Treibhausgasen wie Kohlendioxid und Methan verringern. Klimaschutz und Meeresschutz müssen stärker verknüpft werden. Meeresschutzgebiete helfen dabei, marine Ökosysteme widerstandsfähiger gegen massive Veränderungen zu machen. Weniger als zwei Prozent der Weltmeere stehen bisher unter Naturschutz und 30 Prozent der Fischbestände weltweit sind überfischt. Der WWF fordert bis 2020 ein Netz aus Schutzgebieten einzurichten, das mindestens 10 Prozent der Ozeane und seine charakteristischen Ökosysteme verbindet.

Deutschland erfüllt der Analyse zufolge, wie etliche andere EU-Staaten, gerade einmal 40 Prozent der international vereinbarten Ziele, die der Verhaltenskodex der Welternährungsorganisation FAO vorsieht. In internationalen Gewässern gibt es nur dann Fangquoten, wenn sich die Anrainerstaaten in komplizierten Verhandlungen darauf einigen. Schiffe unter anderen Flaggen sind davon nicht betroffen; ein Drittel des weltweiten Fangs werde zudem laut Schätzungen nirgendwo registriert. Fischerei und andere Nutzungen mariner Ressourcen müssen neu geregelt werden, um die Biotope zu entlasten. Überfischung müsse durch Förderung ökologisch verträglicher Fischerei, Verhinderung von Überproduktion und Verbot der destruktivsten Fischtechniken verhindert werden. Eine effektive, weltweite Aufsichtsinfrastruktur muss errichtet werden, um eine nachhaltige Nutzung und den Schutz der Meere zu gewährleisten.
 

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Bildquellen:
www.artino.at
www.dive-hive.com
www.planet-wissen.de