17.03.2014 - 16:12

Academy Alumni präsentiert Global Marshall Plan an indischer Universität

Loyola College Studenten aus Chennai lernen die Ideen der Initiative näher kennen.

Es ist schon ein eigenartiges Gefühl, wenn man als reicher Nord-West-Europäer Studenten in Indien empfiehlt: Esst weniger Fisch und Fleisch, verbringt eure Ferien in der nahen Umgebung, lasst das Auto öfter mal stehen. Ich hatte den Impuls, diese Folie aus der - im Internet abrufbaren englischen Global-Marshall-PowerPoint-Präsentation - herauszunehmen. Doch dann wurde mir klar, dass es mit großer Wahrscheinlichkeit diese jungen Menschen sein werden, die in wenigen Jahren gut bezahlte Jobs haben und dann einen BMW fahren und dicke Steaks essen wollen. Ein etwas verlegenes Gelächter blieb dann auch bei der Präsentation nicht aus. Doch die cleveren Studenten begriffen schnell, dass es um die Welt geht, in der sie leben werden und dass sie nicht die Zeit haben, die gleichen Fehler zu begehen, die wir gemacht haben.

Ich bin ins südostindische Chennai gereist, um Freunde zu besuchen und von ihrer Arbeit zu lernen. Beide, Dr. Florina Benoit und Prof. Dr. G. Gladstone Xavier, engagieren sich nicht nur beruflich, sondern auch privat international in der Sozial-, Flüchtlings- und Friedensarbeit. Während meines Aufenthaltes hatte ich die Gelegenheit, am - von Franziskanern geführten - Loyola College etwa 40 Ökonomiestudenten die Ideen des Global Marshall Plans vorzustellen.

Obwohl mit den ökonomischen Daten gut vertraut, waren sie sehr beeindruckt von der Darstellung der Welt anhand der worldmapper.org-Grafiken. Intensiv haben wir über die Probleme der Wohlstandsmessung mithilfe des GDP (BIP = Bruttoinlandsprodukt) diskutiert. Besonders erstaunt zeigten sie sich, dass wir reichen Deutschen die erneuerbaren Energien nicht schneller ausbauen und noch immer Probleme mit der Stromübertragung vom Norden in den Süden haben. Kaum glauben konnten die Studenten, dass ich der Brasilianisierung eine deutlich höhere Chance einräume als einer Welt in Balance. Als die Diskussion den Zeitrahmen zu sprengen drohte, beendete der Ökonomie-Professor die Debatte mit den Worten: „Stop talking – start planting!“

Ich bin gespannt, was diese jungen Menschen aus dem Impuls machen werden. Ich bin mir sicher, dass die Gedanken des Global Marshall Plans bei ihnen auf fruchtbaren Boden gefallen sind. Denn sie sind nicht nur sehr gut ausgebildet und wissbegierig sondern auch extrem stark sozial engagiert. So arbeitet jeder Loyola-Student im Jahr 120 Stunden mit den Menschen in den Slums. Einige engagieren sich zudem in dem Flüchtlingshilfsprogramm „Oferr“, das die noch etwa 80.000 Tamilischen Flüchtlinge aus Sri Lanka betreut. Darüber hinaus vergibt das College Mikrokredite an einzelne Slumbewohner.

Beim Besuch bei den Freundinnen meiner Frau in Hyderabad standen Entwicklungs- und Bildungsprojekte im Mittelpunkt. Unsere Freundin Shobha Gosa hat mit www.youngpeopleforlifeindia.in eine Bildungsinitiave auf Grundlage der Milleniumsziele gestartet. Eine besondere Initiative ist die seit 15 Jahren bestehende Chindu-Gruppe (www.chindu.org). Zur Ermächtigung und Befreiung der Daliths (Unberührbare im allgegegenwärtigen Kastensystem) arbeitet das Team mit Tanz, Theater, Musik. Auch auf dem Land ist der Widerstand gewachsen, die unerträgliche Gewalt gegen Frauen in Indien weiter zu ertragen. Die Leiterin von Chindu hat ein Projekt „Unser Ziel: Gewaltfreies Leben für Frauen“ gestartet. Gestärkt ist auch die über die indischen Großstädte verbreitete Aktion „My education is my dowery“. Junge gebildete Frauen verweigern die Ehe, wenn die Familie des Bräutigams die Ausbildung nicht als Brautpreis akzeptiert. Die Ökonomie der Mitgift führt bis heute millionenfach zu Säuglingsmorden, Brautverbrennungen, Suizid. Die Initiative der jungen Frauen ist ein mutiger Schritt, denn unverheiratet zu bleiben zieht für Frauen nach wie vor soziale Ächtung und Einschränkung der Bürgerrechte nach sich.

Der intensive Austausch mit den äußerst liebenswürdigen Menschen - die so auf das Gemeinwohl achten, wie ich es noch nie vorher erlebt habe - hat mich wieder einmal wach gerüttelt. Als erstes werde ich die CO2-Belastung durch meinen Flug kompensieren. Von nun an will ich CO2-neutral leben. Meine jährliche CO2-Belastung durch Auto-, Bahn- und Flugzeugreisen sowie das Heizen meiner Wohnung (ich mag es gern warm) errechne ich. Für die entsprechende Kapazität finanziere ich im von der Sonne verwöhnten Indien bei unseren Freunden, deren Freunden, Bekannten und Nachbarn den Aufbau von Solar-Zellen aufs Dach. Die zahlen den Strom, den sie verbrauchen. Vielleicht kann ich ihnen für den Solar-Strom mehr abknöpfen als die  subventionierten 1 bis 2 Rupies (ca. 1,2 bis 2,4 Euro-Cent) pro Kilowattstunde. Das dadurch erlöste Geld wird in Sozialprojekte reinvestiert.

Gibt es Menschen, die auch CO2-neutral leben wollen? Dann meldet euch bitte bei mir (stefan_otto(at)web.de) vielleicht können wir ja einen richtigen Solarpark aufbauen.

Namaste! (Ich grüße das Göttliche in Euch!)